Aus unserem Leben

Das Recht, auch mal ein schlechtes Frauchen sein zu dürfen

Hallo ihr Lieben,

Jetzt habe ich mich wieder einige Wochen zurückgehalten. Einfach, weil mir danach war. Und damit meine ich nicht nur das Bloggen, sondern auch meine Interaktion mit Mia.

Wie es dazu kam, möchte ich euch jetzt gerne erzählen:

Vor einigen Wochen hatten wir wieder mal ein Hundetraining mit Carsten. Wir trafen uns in einem für Mia bislang noch unbekannten Waldabschnitt. Während des Trainings in diesem unbekannten Wald begegneten uns viele Reize. Zum Beispiel entgegenkommende Hunde. Carsten bemerkte, dass Mia zwar bei mir blieb, wenn Hunde entgegen kamen. Trotzdem wurde ich in manchen Augenblicken uninteressant für meinen Hund. Sie tappste, grunzte, winselte und fixierte den Hund. Kurzum: sie war mental nicht mehr bei mir.

Allerdings lief sie einfach perfekt bei Ole und mir. Bei lauten oder schnellen Reizen erschrak sie eventuell kurz, reagierte jedoch sofort auf unseren Zisch und reihte sich enger bei uns ein anstatt die Flucht zu ergreifen. Alles in allem kann ich sagen: Carsten war überaus begeistert von uns und unseren Fortschritten. Nur die Sache mit den entgegenkommenden Hunden sollten wir weiter verfeinern. Unsere Hausaufgabe: Näher an Hunden vorbei laufen, mehr an Hunden vorbei laufen, uns einbringen. Wir sollten hier die Hebel noch mal anziehen, um mit dem Training die „nächste Stufe“ zu erreichen.

Dies war vor ca. 2 Wochen. Beflügelt von dem Training ging ich natürlich die nächsten Tage viel mit Mia raus, trainingsbereit. Natürlich wollte ich die neuen Hausaufgaben umsetzen. Ich hatte jedoch vergessen, Mia zu fragen. Sie hatte in der darauffolgenden Woche nämlich ganz und gar keine Lust auf das Training. Sie war allgemein nervös und aufgeregt. Sie erschrak viel, bellte plötzlich wieder Menschen an, die uns zu nahe kamen. Auf der Arbeit war sie auf dem Kissen angeleint und eine Patientenmutter ignorierte meinen Ratschlag, Mia in Ruhe zu lassen. Stattdessen sprach sie auf Mia ein. Mia verfiel in exzessives Bellen und ließ sich nicht mehr stoppen, bis die Mutter sich endlich mir zuwandte und mit mir sprach. Daraufhin wurde ich von mehreren Kollegen angesprochen, was denn bitte wieder mit meinem Hund los sei. Ich wusste in dieser Situation, dass Mia eigentlich gar nicht anders reagieren konnte. Und dennoch war mein Frust nach den Tagen der Aufregung groß.

Ole hatte in der kommenden Woche Nachtschicht und so entschied ich mich, Urlaub von Mia zu nehmen. Ich fuhr letzte Woche ohne Mia zur Arbeit und es war ehrlich gesagt eine kleine Erleichterung. Natürlich fehlte sie mir auch, aber wenn ich merke, dass der Stress Überhand nimmt, ist es mehr eine Erleichterung. Mia blieb in dieser Woche zuhause und sie hatte in dieser Woche sehr viel Ruhe. Morgens vor der Arbeit ließ ich sie schnell ihr Geschäft machen, etwas schnüffeln und gab ihr Futter. Dann brachte ich sie wieder zum schlafenden Ole und sie konnte ebenfalls weiter schlafen, bis Ole aufstand. Den großen Spaziergang übernahm er, während ich arbeiten war. Wenn ich abends nach Hause kam, freute Mia sich riesig, winselte, wedelte mit dem ganzen Körper und drückte sich an mich. Abends ging ich noch eine kurze Runde mit ihr.

Ich muss zugeben, dass Mia sicher schon ereignisreichere Wochen hatte. Wir haben in dieser Woche das Training eingestellt, sodass unser Hund viel geschlafen und gedöst hat. Draußen lief sie entweder bei uns oder durfte stressfrei schnüffeln.

Ich sehe diese Woche als eine Auszeit von allem. Und wenn ich abends zwanglos mit ihr draußen war, verhielt Mia sich langsam wieder anders. Plötzlich waren ihr Geräusche wieder egal, sie reagierte schnell auf meinen Zisch, Menschen durften mich wieder ohne Gebell und Kamm begrüßen.

Zwischendurch habe ich mich gefragt: Bin ich eine schlechte Hundehalterin, weil ich mich gut gefühlt habe, Mia abzugeben? Weil ich mich nur wenig mit ihr beschäftigt habe? Weil die Spaziergänge kurz und im Laissez-faire Stil waren?

Mittlerweile antworte ich mir selber mit nein. Wie oft sage ich, dass das Training nichts bringt wenn ich nicht authentisch und ruhig bei der Sache bin. Ich bin genervt und mein Hund ist verunsichert. Das kann man durch solche Auszeiten verhindern. Mia hat viel Ruhe und Schlaf gefunden. Die Begegnungen miteinander waren kurz, aber intensiv und glücklich. Die Auszeit hat uns beiden sehr gut getan. Heute war der erste Tag, an dem ich langsam wieder mit dem Training eingestiegen bin. Bei dem ersten Hund konnte ich eine Begegnung nicht verhindern, da er leinenlos zu uns lief. Die nächsten beiden Begegnungen funktionierten zwar mit grunzen, jedoch blieb Mia bei mir und beruhigte sich sehr schnell. Geräusche haben ihr heute nur wenig ausgemacht.

Und ab morgen wird Mia auch wieder meinen Arbeitswahnsinn miterleben dürfen. Manchmal frage ich mich dennoch, ob Mia ein glücklicherer Hund wäre, wenn sie häufiger alleine zuhause bleiben könnte. An dieser Fragestellung werde ich weiter dran bleiben.

14 Kommentare zu „Das Recht, auch mal ein schlechtes Frauchen sein zu dürfen

  1. Ich finde du hast alles richtig gemacht. Manchmal braucht man auch mal etwas Abstand um wieder zu sich (und seinem Hund) zu finden. Besonders bei Rückschritten im Training, wenn das einen noch zusätzlich frustriert. Und dem Hund tut ne Auszeit, wie man sieht, auch gut 🙂

    Liebe Grüße
    Katarina mit Loki

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  2. In der Ruhe liegt die Kraft – das hätt ich jetzt nicht treffender schreiben können 🙂 Hör weiter auf Dein Gefühl und beobachte sie. Wenn sie eine Auszeit braucht, oder Du – dann nehmt sie euch! 🙂 Genau so machen wir das auch und deswegen braucht auch niemand ein schlechtes Gewissen zu haben 🙂 Liebe Grüße

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  3. Mach dir keine Sorgen, du hast alles richtig gemacht und bist garantiert keine schlechte Hundehalterin… Selbige würde sich nämlich gar nicht solche Gedanken machen.
    Jeder, der einen schwierigen Hund hat, wird dir zustimmen. Manchmal ist es besser eine Pause zu machen, als gehetzt und genervt ein Training unbedingt durchzuziehen. Damit würdest du Mia nur verunsichern, weil sie dein Verhalten nicht zuordnen kann.
    Wir haben auch oft schwierige Tage, die Pubertät macht Anežka oft taub und blind, sie scheint alle Kommandos vergessen zu haben, dazu ist sie aber auch gerade wieder albern wie ein Welpe, was mich dann doch auch zum lachen bringt. Ich nutze diese Zeit dann eben auch möglichst stressfrei, indem wir eben nicht trainieren, sondern einfach albern rumhüpfen und einer alten Socke hinterher rennen, dabei lachen und knuddeln … Besser als sich über verpatztes Training zu ärgern. 😊 ich nehme es einfach als Bindungsspiele, die auch wieder Vertrauen schaffen…
    Vielleicht könntest du Mia immer zu Hause lassen, wenn Ole Nachtdienst hat? Wäre vielleicht so ein guter Wechsel, wo jeder durchatmen kann.
    Wie kommt Ole denn zurecht, wenn er mit Mia alleine unterwegs ist? Ist er ein entspannter Typ?

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    1. Danke für deine Meinung! Tut immer gut zu lesen, wenn andere es ähnlich sehen. Bindungsspiele könnte ich noch mehr versuchen zwischendurch! Wir werden auf jeden Fall versuchen, Mia möglichst häufig zuhause zu lassen. Ole kann entspannt sein, aber er ist schneller frustriert als ich wenn es „Rückschritte“ gibt. Das ist glaube ich mit der Grund, warum ich intensiver trainiere.

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      1. Bei uns geht’s auch gut, viel Arbeit gerade.
        Dann wünsche ich noch eine entspannte Woche und ein wunderschönes Fest zum großen Tag ♥
        Übrigens… NOCH kannst du es dir anders überlegen 😊

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      2. Liebe Noemi, ich gratuliere ganz herzlich zur Hochzeit 💒, wünsche euch eine lebenslange sehr glückliche Beziehung, möget ihr gemeinsam alle Berge erklimmen und alle Täler durchwandern, ich hoffe eure Ehe gleicht einer ruhigen See mit wenigen Klippen, aber vielen wunderschönen Häfen. ♥
        Bestimmt hattet ihr ein unvergessliches Fest und du warst eine bezaubernde Braut 👰… Und hoffentlich hat auch mit Mia alles gut geklappt 😊

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