Erziehung

Unser Gangtraining

Hallo ihr Lieben,

ich wurde nun schon mehrfach gebeten, einen Beitrag zum Thema Gangtraining zu verfassen. In der Vergangenheit habe ich das Thema schon angeschnitten und mit Fotos untermalt – zu dem Beitrag kommt ihr hier!

Nun werde ich versuchen, das Gangtraining noch etwas detaillierter zu beschreiben.

Ich möchte allerdings betonen, dass ich diese Methoden nie ohne Trainer angewandt hätte. Er hat von Anfang an das Timing , die Intensität und die Wiederholungen bestimmt, weil er das Verhalten von Mia am Besten deuten konnte.

Des Weiteren denke ich, dass für verschiedene Hunde verschiedene Ansätze wirksam sind und man das Passende für seinen Hund finden muss. Ich habe vor diesem Training bereits mit anderen Trainern verschiedene Techniken ausprobiert, die da wären:

  • wenn Mia beim Laufen zurück zu mir blickt, clickern und belohnen
  • wenn Mia vorläuft, stehen bleiben, bis Mia die Geduld verliert und zu mir zurück kommt
  • Leinenimpuls und Richtung wechseln
  • ohne Leinenimpuls die Richtung wechseln
  • bei Hundebegegnungen auf die Leine stellen und Mia vergebens unermüdlich in die Leine springen lassen, ohne Kontakt zuzulassen

Ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, welche Methode hier besser und welche schlechter war. Im Endeffekt hat keine dieser Methoden bei Mia die gewünschte Wirkung gezeigt. Sie blieb trotz aller Impulse, Richtungswechsel etc. unbeirrt. Sie drehte höchstens auf, hüpfte neben mir her und hechelte, verstand nicht, was ich von ihr wollte. Kurz darauf rannte sie jedenfalls wieder vor.

Unser jetziges Training klingt erstmal vielleicht so, als würde es sich nicht sehr von den anderen entscheiden. Doch meine Haltung macht den Unterschied. Und zwar soll ich mir einen Kreis um mich herum vorstellen, in dem Mia sich bewegen darf. Die Größe des Kreises hängt hier dabei individuell von den Bedürfnissen ab. Manche Hunde benötigen eine größere Individualdistanz, da kann der Kreis 3m sein. Bei anderen Hunden auch nur 1m.  Anfangs war Mia bei dem Training durchgehend an der Leine.

Wichtig ist, Mia das Training anzukündigen! Möchte ich, dass sie bei mir läuft, sage ich „Auf geht’s“. Natürlich kann das auch jedes andere beliebige Wort sein. Sobald ich „Auf geht“s“ sage, denke ich mir den Kreis um mich herum.

Wenn Mia entspannt rennen und toben darf, warte ich, bis sie sich hinsetzt und löse das Kommando mit „Lauf“ auf. Sobald ich das sage, darf Mia laufen, schnüffeln und tun, was ihr gerade Freude macht. Wenn ich dann wieder „Auf  geht’s“ sage, hat das eine Wirkung wie „Das Rudel formiert sich“. Mia setzt sich sofort ruhig neben mir ab und wir laufen gemeinsam weiter.

Und so wurde es trainiert: Ich habe den unsichtbaren Kreis erwähnt. In diesem Kreis darf Mia bei mir laufen. Es ist egal, ob sie meine Seite wechselt, etwas vor oder hinter mir bleibt. Hauptsache sie verlässt den Kreis nicht. Wenn sie von einem Reiz abgelenkt wird und vorläuft (Hund, Mensch, was auch immer), setze ich einen Leinenimpuls und zische dabei scharf auf den Reiz. Ich bleibe stehen. Mia schaut zu mir, ich schnalze freundlich und locke sie zu mir. Sobald sie ruhig neben mir sitzt, streichle ich sie sehr langsam und ruhig. Dann sage ich wieder „Auf geht’s“. Das wiederholt sich, sobald Mia wieder den gedachten Kreis verlässt.

Für dieses Training verwenden wir eine dünne, weiche Naturlederleine ohne Schlaufe. Ziel ist, dass der Hund nicht an den Impuls gewöhnt wird, sondern an den Zischlaut. Bei manchen Hunden reicht der Impuls, doch wenn der Hund stärker und kräftiger ist, kann man zu Beginn auch mit einer Bauchleine anfangen. So haben wir gestartet, weil Mia eine sehr geringe Aufmerksamkeit hatte und den Leinenimpuls nicht wahrgenommen hat. Mit der Bauchleine hat sie sehr gut reagiert. Natürlich war der Impuls nie so stark, dass es hätte weh tun können – der Zisch stand immer im Vordergrund.

Innerhalb von wenigen Stunden verließ Mia den gedachten Kreis immer seltener. Sie fing an, beim Laufen auf uns zu achten. Das ganze Training bestand aus Ruhe. Wir liefen sehr, sehr langsam und spürten ihre Anstrengung, auf uns zu schauen. Wenn wir schnell laufen, verfällt Mia in Hektik und schaut nur noch nach vorne, anstatt zu uns.

Auch das langsame Loben ist sehr wichtig. Wir geben ihr Ruhe mit dem Training. Wir zeigen ihr, dass wir die Reize nicht vermeiden und nicht flüchten, nur mit Ruhe funktioniert es. Der Leinenimpuls wurde übrigens immer mehr von dem Zischlaut abgelöst. Sobald wir merkten, dass Mia auf den Zisch sofort entspannte und wieder zu uns blickte, haben wir sie von der Leine abgelöst.

Und dann haben wir ohne Leine geübt. Bei „Auf geht’s“ galt der Kreis, hat Mia ihn verlassen, haben wir gezischt und gewartet, dass sie neben uns saß. Überraschenderweise hat es ohne Leine oftmals besser funktioniert. Unser Trainer hat uns erklärt, dass man mit der Leine viele Emotionen und Gefühle übertragen kann. Ohne Leine ist der Hund frei, muss also mit vollster Konzentration auf einen achten, um einen zu verstehen.

Auch heute üben wir noch und halten uns an die Kommandos – sie sind zu einem festen Bestandteil von uns geworden. In Situationen, welche Mia fordern könnten, arbeiten wir lieber mit Leine. In reizarmer Umgebung arbeiten wir ohne Leine. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr Mia nun auf uns achtet und uns in den meisten Fällen vertraut (Dank des Zisches), dass wir die Situation schon übernehmen und regeln können.

 

11 Kommentare zu „Unser Gangtraining

    1. Hey, danke! Nee, wir verwenden so eine 1cm breite Leine aus weichem Naturleder ohne schlaufe und ohne Metall (außer am Befestigungshaken) . Mit Bauchleine ist gemeint dass die Leine wie eine schlaufe um den Brustkorb/Bauch gelegt wird. Das dient dazu, den Hund mit einem sanften Impuls aus der Angst oder Flucht zu holen ohne dass es weh tut. Bei Mia war das so richtig ein Aufwachen wie ooh, ihr seid ja auch da! Wir mussten das aber nur zum Anlernen des Zischlautes machen, jetzt ist die leine normal.
      Die Begründung war dass ein Hund das besser ohne Kraft spürt und dass es eine ungewohnte Stelle ist. Am Hals oder Geschirr konnte sie sich halb strangulieren ohne es zu merken.
      Wie genau meinst du Abbruchkommando? Der Zisch sagt ihr sofort „Mein Reiz“, ich übernehme also den Reiz der ihr Angst oder Freude macht. Sie fällt mittlerweile sofort in eine entspannte Haltung und läuft mit mir vorbei 🙂 ich hoffe, ich habe dir etwas geholfen! Sonst frag weiter 😊

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  1. Danke, ich habe ja schon auf den Beitrag gewartet und finde das sehr interessant und vorstellbar. Wir trainieren wohl etwas ähnlich, auch, wenn ich bisher nicht so an den Kreis dachte (die Vorstellung gefällt mir jedoch sehr gut), sondern einfach in Metern. Allerdings habe ich da nicht so feste Vorgaben, sondern mache den Abstand abhängig von der jeweiligen Tagesform. Je gelassener Anežka am jeweiligen Tag ist, desto größer ist ihr Radius. An der Leine ist das einfach definiert: Die jeweilige Länge der Leine, ohne Spannung, ohne Leine sage ich einfach „bei mir“ und sie achtet von selbst darauf. An ihren voll pubertierenden Tagen ist ihr Radius schon mal so beschränkt, dass sie neben oder hinter mir bleiben muss, dann bekommt sie aber ein extra Kommando.
    Ich habe aber trotzdem noch eine Frage: Abgesehen vom Zischen, was macht für dich den Unterschied vom jetzigen Training zu vorher Leinenimpuls und stehen bleiben? Wirklich nur deine Ausstrahlung und Haltung?
    Was ich auf jeden Fall bestätigen kann, die Sache mit der inneren Ruhe. Man mag es nicht glauben, aber genau DAS ist wirklich das A und O im Training. 😊

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    1. Das klingt auch sehr gut und vernünftig wie ihr das macht!

      Ich glaube, der große Unterschied ist einmal die Leine… ganz dünn und weich, aber halt anfangs als Bauchleine. Das war glaub ich das erste Mal, dass Mia die Leine im positiven Sinne SPÜREN konnte. Dadurch hat sie das erste mal gelernt, auf uns zu achten. Und ich würde sagen, die Methoden vorher waren entweder nur Belohnung (wo Mia lernte „Cool, ich krieg Futter! Kurz was holen, dann wieder weglaufen“) oder nur Bestrafung (Leinenruck, aber sie hat das glaub ich nie richtig gespürt bzw konnte es nicht verknüpfen). Jetzt ist es mehr so ein Hey ich lass dir deine Freiheiten, aber verlass den Kreis nicht. Und wenn sie es doch tut, kommt direkt nach dem Zisch ja ein ganz freundliches zu mir holen und streicheln. Grob gesagt lernt sie dadurch vielleicht entferne dich nicht von mir, ich tu dir eh am Besten!

      Ich hoffe, das ist so etwas logischer.. sonst frag gerne weiter 😃

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      1. Danke das klingt sehr logisch. Die Frage mit der dünnen Leine hatte ich eigentlich noch, aber das hast du jetzt gleich mit beantwortet. Du hast den Kernpunkt auf welchen ich hinarbeite genau auf den Punkt gebracht: Egal was da ringsherum passiert, bei mir ist es am schönsten und bei mir bist du sicher. ♥ 😊
        Wir hatten heute so ein tolles Erlebnis. Ich lief mit dem Mürmel am Abend noch durch die ruhige Fußgängerzone, sie lief erst rechts kurz vor mir, da kamen zwei Männer mit Boxer an der „geliebten Flexibel“ entgegen, der Hund beanspruchte natürlich viiiiel Raum und zum ersten Mal kam Anežka ganz einfach von ganz alleine, wechselte an meine linke Seite, vom Hund weg und schaute beim vorbei laufen nur auf mich. Das war richtig schön ♥
        Ich habe die meisten „Probleme“ im Grunde so die ersten fünf Minuten, wenn wir gerade unterwegs sind, da ist sie manchmal noch wie ein Flummy… Obwohl ich so lange warte mit weggehen, bis sie entspannt ist… 😗

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      2. Hey, ich find es echt immer toll dass du meine Ansichten verstehst und teilst!

        Wow, das ist ja wirklich ein tolles Erlebnis. Ich denke, Mia würde noch Schwierigkeiten haben selbstständig die Seite zu wechseln, wenn der andere Hund so viel Raum einnimmt. Da wird die verlockung viel zu groß. Aber wir arbeiten auch dran! Weiter so 😘

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  2. Danke für den ausführlichen Bericht. Jetzt kann ich mir das alles noch etwas besser vorstellen 🙂

    Ich hoffe wir finden bald (September/ Oktober) noch einen Weg Diego den Hinweg schmackhafter zu machen, damit er da nicht so bockt. Es ist immer nur der Hinweg und ich kann auf der gleichen Strecke umdrehen und sofort läuft er zurück wie ein anderer Hund. Drehe ich wieder um, das Leiden Christi auf vier Pfoten. Drehe ich wieder um, Strahlemann auf vier Pfoten der freudig selbige schwingt 😀 Wir haben auch verschiedene Kommandos. Selbst an der Flexi hört sie gut drauf. Langsam. Warte. Weiter. Schnuppern/ Schnüffeln. Wenn sie von der Leine dürfen und toben, lassen wir sie vorher sitzen und zählen runter. Dann gibt s das Kommando „Und Los“ 😀 Liegt noch Arbeit vor uns, aber abgesehen von den immer noch schwierigen Hundebegegnungen bin ich doch zufrieden mit uns 🙂

    Liebe Grüße

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    1. Sehr gerne ! Oha, das klingt aber auch wirklich sehr abenteuerlich! Das fänd ich auch mal interessant zu wissen woran das liegt.

      Ist ja auch süß mit dem runterzählen, da kann ich mir richtig vorstellen wie die kleinen vor Vorfreude anspannen 😀

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      1. Am 21.09. haben wir noch mal eine Einzelstunde mit Diego. Unsere Trainerin hat bestimmt noch eine Idee für den Hinweg. Hauptsächlich möchten wir jetzt aber mit ihm an seiner Angst vor Knallgeräuschen arbeiten. Und sie wollte ihm Platz beibringen. Nachdem schon drei Trainer und wir gescheitert sind, lach. Ich bin gespannt 😀

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