Aus unserem Leben

Eine Woche in Greifswald 

Hallo ihr lieben Leser, 

Die Woche Urlaub ist schnell ins Land gezogen und nun sind es nur noch wenige Tage, bis es zurück nach Düsseldorf geht.

Wir haben unsere Zeit bislang sehr gut genutzt und Mia konnte schon einiges erleben.

Sonntag gegen 00.30 Uhr sind wir von zuhause losgefahren. Nach einer 6-stündigen Autofahrt durch die Nacht kamen wir gegen 7 Uhr morgens in Greifswald an. Mia, die eigentlich im Auto immer aus dem Heckfenster schaut, hatte einen Großteil der Fahrt verschlafen und auch wir waren ziemlich müde, als wir die Wohnung meines Bruders und meiner Schwägerin erreichten.

Mein Bruder war zu dieser Zeit bereits arbeiten, aber meine Schwägerin empfing uns tapfer. Das Schlafsofa war bereits für uns vorbereitet und so legten wir uns als allererste Amtshandlung erst einmal schlafen. Wir schliefen bis ca. 11 Uhr, dann wurden wir von meiner Schwägerin und einer Freundin von ihr mit Kaffee und Frühstück versorgt.

Und so konnte das Abenteuer Urlaub beginnen. Direkt am ersten Tag gingen wir in den benachbarten Park spazieren. Ich nahm Mia von der Leine, als wir ungestört waren und ließ sie laufen. Mia war voller Energie und ich sah ihr an, dass sie erst einmal den Stress der langen Fahrt und der unbekannten Umgebung ablaufen musste. Sie sprang und rannte, warf Stöckchen in die Luft und lief alles ab. Plötzlich steuerte sie gezielt auf einen Abhang zu. Wir riefen sie, Mia ignorierte den Rückruf! Plötzlich hörten wir ein lautes Platschen – scheinbar hatte Mia ein Gewässer entdeckt und war direkt rein gesprungen. Wieder riefen wir, aber Mia kam nicht zu uns. Das war untypisch, normalerweise rannte sie immer zu uns, spätestens nachdem sie wenigstens ins Wasser gehüpft war. Ich begann mir Sorgen zu machen und stürmte durch das Gras zu dem Abhang. Dort angekommen sah ich, dass eine steile Betonplatte zu dem Wasser führte. Scheinbar war zwischen Beton und Wasser zusätzlich eine Stufe.

 Zu allem Überfluss regnete es und der Beton war rutschig. Mia klammerte sich mit den Vorderpfoten an die Betonstufe und versuchte sich hochzuziehen. Sie war kurz davor, rückwärts zurück ins Wasser zu kippen. Das Herz schlug mir bis zum Hals und noch während ich überlegte, wie ich am besten zu Mia herunterkam um sie aus dem Wasser ziehen zu können, schaffte sie es doch aus eigener Kraft, sich die Stufe hochzuziehen.  

Mia war natürlich nass, aber ansonsten wohlauf. Aber so hieß es erst einmal: Ab an die Leine! Wir liefen weiter durch den Park, als Mia plötzlich begann nach vorne zu bellen. Ich konnte keine Gefahrenquelle ausmachen, doch Mia bellte immer wieder und sträubte das Fell. Irgendwann verstand ich, dass Mia Angst vor Felsen und Geräten auf der Wiese hatte.

Also hieß es: trainieren. Ich ließ Mia an der Leine und lief mit ihr die Felsformationen und Gebilde auf und ab, bis Mia zu Schnüffeln begann und ihre Körperhaltung entspannte.

Auf dem Rückweg begegneten wir einem Schäferhund, der alt und langsam wirkte. Er zog seine Leine hinter sich her, seine Halter waren weit und breit nicht in Sicht. Ich war etwas nervös, Mia natürlich stark interessiert.

Zum Glück schaute der Schäferhund nur, hatte aber nicht weiter Interesse und kam nicht näher. Wie sich danach herausstellte, lebt der Schäferhund in dem weißen Haus und geht alleine raus, wenn er muss. Scheinbar ein Hund, der sehe selbstständig ist. Aber ich als Halterin würde mich nicht wohl dabei fühlen, meinen Hund anleine draußen spazieren zu lassen.

Alles in allem ist dies ein sehr aufregender Spaziergang gewesen. Und für Mia ging es spannend weiter. Abends traf sie das erste Mal auf meinen Bruder, vor dem sie bekanntlich Angst hat. Als er die Wohnung betrat, bellte und knurrte sie. Sie lief zu ihm, stellte ihren Kamm auf und duckte sich weg. Mein Bruder verhielt sich jedoch richtig, ignorierte sie und sprach mit uns. Schon kurz darauf konnte Mia sichtlich entspannen und begleitete uns schwanzwedelnd durch die Wohnung.

Mein Bruder wohnt sehr zentral in Greifswald. Gut für uns, schlecht für Mia. Wir müssen nur wenige Schritte laufen, dann befinden wir uns in der Innenstadt. Ein optimaler Ort, um Mias Toleranz gegenüber Reizen zu erhöhen. Draußen zeigt sie sich zurzeit nervös und ängstlich.

Nichtsdestotrotz hält sie sich an uns und zeigt nur selten Fluchttendenzen. Wenn Mia hektisch wird, zischen wir und bleiben stehen, sodass sie sich wieder einordnen kann. Ruhe bestätigen wir mit langsamen, intensiven Streicheln. Wenn die Reize Überhand nehmen, gehen wir zu einer ruhigeren Ecke und setzen Mia ab, damit sie sich mit der Umwelt auseinandersetzen kann.

In Greifswald fallen wir mit unserem „so niedlichen“ Hund und unserem Training ähnlich auf wie in Düsseldorf. Bislang wurden wir jeden Tag von neugierigen Menschen angesprochen und haben geduldig Fragen zu unserer Trainingsweise beantwortet. Ich finde es sehr gut, wenn fremde Menschen nicht gleich verurteilen, sondern offen genug sind um nachzufragen.

Die schönste Begegnung war jedoch bei einem Spaziergang im Park mit drei Kindern.  Die Kinder fragten uns, ob sie mit Mia Ball spielen dürften. Vor allem eines der Kinder (ein geschätzt 8jähriges Mädchen war selbstbewusst und kannte sich scheinbar aus). Mia hörte auf ihre Kommandos und spielte unbefangen mit ihnen. Ich beobachtete die Szenerie stolz. Mein Hund fühlte sich offensichtlich wohl und die Kinder hatten Spaß. Am Ende waren die Kinder glücklich und Mia müde.

Heute sind wir mit Mia zum Strand gelaufen. Mein erster Eindruck ist, dass Greifswald in einigen Gebieten nicht unbedingt hundefreundlich ist. 

Dennoch haben wir mit Mia einen schönen Platz gefunden, an dem sie unbefangen rennen und spielen konnte.

Am Ende wollten wir noch einen Backfisch essen, allerdings war da Restaurant auf dem Platz mit Maulkorbpflicht. Also setzte ich Mia vor dem Platz ab und wartete mit ihr, während Ole in den Imbiss ging. Während wir warteten, kam ein älteres Ehepaar vorbei. Der Weg war etwas uneben und abschüssig. Mia hatte Angst und saß – allerdings war das Ende der Leine nicht fixiert sondern in meiner Hand. Der Rollator des Mannes verkantete sich im Boden und die Ehefrau versuchte ihn zu stützen. Leider bekamen sie den Rollator so nicht frei. Ich sah schon einen von beiden oder beiden stürzen. Ich überlegte nicht lange, sah Mia noch einmal eindringlich an und ließ dann ihre Leine los. Ich hastete zu dem Ehepaar und trug ihnen den Rollator den Abhang hinunter bis zu dem ebenen Weg. Die Frau half ihrem Mann und beide bedankten sich überschwänglich und mehrfach bei mir. Für mich war die Hilfe selbstverständlich – was mich so glücklich machte, war mein Hund Mia. Sie war die ganze Zeit über sitzen geblieben und hatte auf mich gewartet, obwohl andauernd Passanten und Fahrräder an ihr vorbei kamen und sie äußerst unsicher war! Wieder einmal dachte ich mir: wir sind auf einem sehr guten Weg. Und wenn sie Angst hat – was soll’s? Wir werden noch so viel gemeinsam erleben und meistern.

Unser Urlaub dauert nun noch 2 Tage, Sonntag Abend werden wir abreisen und bis dahin werde ich alles tun, um Mia bestmöglich an die Umgebung zu trainieren.

13 Kommentare zu „Eine Woche in Greifswald 

  1. Oh je, ist euer Urlaub schon fast wieder vorbei, habe das Gefühl ihr seid gerade erst losgefahren.
    Was ein Glück, dass Mia wieder alleine aus dem Wasser kam, solche Betonwände sind echt tückisch. Uns ist das mal in Belgien passiert, zum Glück waren wir zu zweit, hatten vier Hunde dabei, heißt vier stabile Leinen, die haben wir zusammen geknüpft und ich habe mich abgeseilt, während mein Mann mich gehalten hat. ☺ ziemlich spannend…
    Schade, dass es nicht überall so Hundefreundlich ist, Leinenpflicht finde ich ja okay, aber Maulkorb? Vielleicht ist dort mal was passiert?!?
    Cool, dass Mia trotz der Menschen so liegen geblieben ist, glaube da hätte ich bei dem Mürmel doch noch etwas Herzklopfen 😊
    Wünsche euch noch wunderschöne Tage und eine gute Rückfahrt ✋

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    1. Ohje das klingt ja auch aufregender als man sich wünscht. Ein ganz schöner Schreck erstmal…

      Naja wir haben danach noch eone Woche Urlaub, aber die wird dann in der Heimat verbracht. Müssen noch Dinge für die Hochzeit regeln etc.

      Gute Frage, ob da mal was passiert ist. Aber Maulkorbpflicht find ich auch hart, Mia ist nicht mal mehr an so etwas gewöhnt und haben wir auch nicht dabei.

      Vielen lieben Dank dir !

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      1. Doch, ich habe den Zwerg von Anfang an an den Maulkorb gewöhnt, da ich ja immer noch ein bisschen Hoffnung habe sie könnte die Nachfolge von Sharai als mein Therapiehund antreten und da wäre es doch möglich, dass sie mal öffentliche Verkehrsmittel nutzen muss. 😓

        Gefällt 1 Person

  2. Eine gute Tat am Tag (Rollator) und Mia bleibt tapfer und meistert es brav 🙂 Ich finde es toll ihre Entwicklung zu verfolgen und erkenne vor allem Kayla in vielem wieder.

    Genießt Euren Urlaub weiter 🙂 Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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