Aus unserem Leben

Ein kurzer Tagesrückblick – wer nicht hören will, muss fühlen!

Wie klug habe ich hier die restlichen Tage daher geschrieben. Kein Training, wenn mir nicht danach ist. Da sollte ich es besser bleiben lassen, weil mein Hund das spürt und es dann eh keinen Effekt hat. Daran halte ich mich!

Von wegen. Heute habe ich diese Regel gebrochen und obwohl ich mich eigentlich nicht beklagen kann, hat es mich in der Situation doch ziemlich mitgenommen.

Und zwar war heute überhaupt nicht mein Tag. Von Anfang an viel zu müde. Dann habe ich Bargeld verloren: zum Glück nur 5€, aber die Unnötigkeit regt mich auf – ich habe nämlich die schlechte Angewohnheit, das Geld lose in meiner Jeanstasche zu tragen und wahrscheinlich ist es dann rausgerutscht als ich den Autoschlüssel gezückt habe. Ich hoffe, ich konnte dem Finder eine große Freude bereiten. Zusätzlich dazu war ich heute durch das 6 Wochen-Abnehm-Programm hungrig und ich werde ganz schön gefährlich, wenn ich Hunger habe. Und anschließend hatte ich noch Ärger mit 2 Patienten, was ich normalerweise vielleicht 1x im Monat habe. Ich hatte mich schon schweren Herzens dazu entschieden, meiner geliebten Sportgruppe abzusagen. Aber mit Mia wollte ich trotzdem raus – es hilft ja nichts.

Ich bin also nach der Arbeit mit ihr zu einer der Grünanlagen gegangen, bei denen ich gerne mit ihr trainiere. Durch das schöne Wetter war heute ungewöhnlich viel los. Ich habe Mia abgeleint und bin mit ihr losgelaufen. Soweit war noch alles gut! Zwar hat sie schon das eine oder andere Mal ängstlich umher geguckt, aber sie lief bei mir und darum geht es in der Übung ja.

Anschließend musste Mia ihr Geschäft verrichten. Sie schnüffelte schon ungewöhnlich lange herum und ich bemühte mich, geduldig zu bleiben. Irgendwann bemerkte ich, dass eine Frau mit maulkorbtragendem Schäferhund uns beobachtete. Mia war ziemlich abgelenkt davon und dass sie musste, war vergessen. Da dachte ich mir: okay, vielleicht traut sie sich nicht an uns vorbei. Ich habe Mia also neben mich gesetzt und angeleint… und die Frau hat mich weiterhin doof angestarrt! Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass sie mich aus irgendeinem Grund beobachten wollte. Aber an Mias Geschäft war so nicht zu denken, da sie immer wieder nervös zu Frau und Schäferhund blickte. Also ging ich mit ihr widerwillig weiter und etwas später fand Mia dann endlich ihr Plätzchen.

Als wir weiter liefen, kamen wir am Hundeauslauf vorbei. Drinnen saßen 7 Menschen und die Hunde lagen hechelnd auf dem Boden, zu warm zum Toben. Noch vor einigen Wochen hätte ich dabei gesessen und Smalltalk geführt, während die Hunde sich überlassen wären, doch jetzt sieht es ganz anders aus. Jetzt steht erstmal das Training im Vordergrund.

Mia wurde also ziemlich ungehalten durch den Zaun angebellt und begann nervös zu winseln und zu grunzen. Sie ignorierte meinen Zischlaut, lief aber weiter. Nur etwas später sahen wir auf die Ferne einen Hund, der sein Herrchen wedelnd beim Ballspielen beobachtete. Obwohl er bestimmt 15m von uns weg war, fand Mia ihn ziemlich spannend. Wieder gab sie lautstark ihre Geräusche von sich und sorgte bei Umherstehenden für Lacher. Ich gab wieder meinen Zischlaut, wuede abermals ignoriert. Das einzig Gute war, dass Mia ihre Leinenlosigkeit nicht ausnutzte sondern bei mir blieb.

Ich beschloss, Mia ins Deckentraining zu bringen. Das funktionierte 3 Minuten auch gut. Bis ein Ehepaar ca. 10m von uns stehen blieb und die Frau quietschte:“ Guck mal, der Hund!“. Mia reagierte prompt, stellte sich auf, bellte jaulend und durchgehend. Ich ging ruhig zu ihr, das durchgehende Bellen änderte sich zu leise warnenden Wuffs. Ich legte sie ruhig wieder ab, wandte mich ab und hörte Mia noch 2-3x wuffen, bevor sie sich wieder beruhigte. Das Ehepaar war zum Glück erschrocken weiter gegangen. Mia begann daraufhin exzessiv auf einen Stock zu kauen. Ich ließ das zu, bissie sich von der Decke robbte. Da ging ich auf sie zu und sie unterwarf sich. Ich lief einen Bogen, wartete, bis sie sich aufsetzte, ging abermals auf sie zu… sie unterwarf sich. Sie hechelte, rollte sich, unterwarf sich. Da beschloss ich das Training zu beenden, nahm sie freundlich auf und fuhr mit ihr nach Hause.

Äußerlich bin ich ruhig und geduldig geblieben, doch innerlich brodelte es umso mehr in mir. Ich war genervt und frustriert – so ein Quatsch eigentlich!

Ich weiß, was für ein sensibler Hund Mia ist und wie extrem sie auf innere Schwankungen reagiert. Ich hätte heute gar nicht die Entscheidung treffen dürfen, mit ihr zu trainieren. Das war von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Noch dazu gab es heute so viele Reize. Ich weiß, dass Mia noch nicht an dem Trainingspunkt ist, wo jeder Mensch sie mit Augenkontakt ansprechen darf. Schon gar nicht, wenn ich auf Distanz zu ihr stehe und sie die Situation alleine lösen muss. In diesem Sinne weiß ich, dass mein lieber sensibler Hund heute alles richtig gemacht hat und so gut, wie sie konnte – ich hingegen musste abermals diese eine wichtige Lektion lernen: hör auf dich und deinen Hund. Gönn euch eine Pause, wenn du einen so schlechten Tag hattest. Denn letztendlich bringt es dann nichts außer Frust und Inkonsequenz! Morgen ist ein neuer Tag und ich bin sicher, dann wird es wieder besser laufen! 🙂

 

 

16 Kommentare zu „Ein kurzer Tagesrückblick – wer nicht hören will, muss fühlen!

  1. Kein Training an schlechten Tagen ist wohl einer dieser einfachen und sinnvollen Ratschläge, die in der Praxis nicht immer so funktionieren wollen. 🙂
    Unser Training heute war auch nicht das beste. Eher das schlechteste seit Langem. Es endete mit einem Biss für mich und dem Rätsel, was ich falsch gemacht habe (eigentlich war ich nicht schlecht drauf oder so) und ob ich es geschafft habe, die letzten Wochen Arbeit komplett in den Sand zu setzen. Ich leihe mir mal etwas von deinem Optimismus und nehme an, dass es morgen wieder besser läuft. 🙂

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  2. Ach du meine Güte und da jammer ich, dass Mia so ängstlich ist und Menschen verbellt. Da hast du aber auch bestimmt genug um die Ohren… Ja, bitte bleib optimistisch! Am Ende lohnt sich die Arbeit bestimmt für alle:)

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  3. Ich liebe deine Berichte und bin in der Situation ganz bei dir, ja es ist mitunter etwas frustrierend, aber du kommst voran und das ist wichtig und Mia konnte ja gar nichts dafür ♥. Halte dir immer vor Augen wie viel du schon geschafft hast.
    Ich mag es wie du Dinge sofort reflektieren kannst und am Ende wieder optimistisch zurück schaust.
    Mach dir nichts draus, lass Ole trainieren, bis du wieder satt bist. 🙂
    Manche Menschen bzw deren Verhalten finde ich auch immer kurios, sie laufen unbedenklich auf einen fremden Hund zu mit diesem „Oh wie süß Gesicht“, dann bellt der Hund und sie laufen erschreckt weg mit diesem „Oh böser Hund Gesicht“… 🙂
    Ich habe mir übrigens die Seite von Carsten angesehen, gefällt mir sehr gut. Habe mich ein wenig durchgelesen und kann mich mit den meisten Dingen die er schreibt durchaus identifizieren.

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    1. Sehr lieb geschrieben! Und ich weiß, dass du recht hast 🍀 ja, manche Menschen versteh ich auch nicht. Ich habe auch schon nicht die Frau mit dem Schäferhund verstanden, die uns durch reine Präsenz gestört hat.

      Freut mich, dann hast du ja eine Adresse falls dir mal nach einer Trainingsstunde ist. Aber ich bin sicher ihr kriegt das auch so hin 🐾

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      1. Na ja, die Frau mit dem Schäferhund… Nehme ich an…. Wollte wohl einfach euer Training beobachten. Das kann ich schon irgendwie nachvollziehen, mache ich auch ganz gerne 🙂
        Vielleicht dachte sie ja auch, sie können für ihren Hund was mitnehmen an Wissen.

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      2. Naja so Leute die interessiert schauen stören mich eigentlich auch nicht. Aber die hat wirklich penetrant nervig geguckt und Mia am Geschäft gehindert, total nervös gemacht. Eher so als würde ihr irgendwas nicht passen 😉 aber dann bin ich sie ja zum Glück los geworden!

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      3. Vielleicht war sie etwas neidisch, weil es bei ihr nicht so klappt?
        Ich hatte so was mal bei meinem Schäferhund, mit dem war ich Inliner fahren, er lief dann immer ohne Leine bei Fuss und eine Frau beschwerte sich regelmäßig, wenn ich an ihr vorbei fuhr, weil SIE IHREN Hund kaum halten konnte. 😳

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  4. Mir gefällt das auch, wie du es meisterst. Es gibt immer ein paar schlechte Tage. Manchmal Rückfälle. Aber es geht weiter.
    Ich krieg das einfach nicht gebacken mit meinem Hund. 😅 Mir ist aufgefallen, je mehr ich reagiere oder zische, oder ihn weghalte mit dem Bein, wenn ein anderer Hund kommt, umso heftiger reagiert er. Ich mache am Besten nichts und laufe schnurstracks vorbei. Manchmal habe ich hier keine Ausweichmöglichkeit und müssen uns dem stellen. Ich werde jedesmal so blöde angeguckt, das mein Hund so unmöglich ist. Oder plötzlich kommen aus allen Richtungen die Herrchen/Frauchen, die zur selben Zeit raus gehen. Da weiß Luki gar nicht, wen er zuerst anbellen will. Aber er bellt und fletscht und kriegt eine Kratzbürste, um ja größer zu wirken.

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    1. Ich find es schön dass du meine Erfahrungen teilweise teilen kannst 😋 es tut mir eh gut hier zu lesen dass ich mit solchen Situationen nicht alleine bin! Bei Mia ist es aber auch so, wenn ich zu viel mache blendet sie es aus. Oder wenn ich zu sehr denke verdammt da kommt jetzt wieder so eine Situation auf uns zu. Je mehr ich mit den Gedanken woanders bin und nur einen energischen Zischlaut mache desto besser funktioniert es bei ihr 😀

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  5. Ich kann dir so gut nachfühlen, ich war nach unserer Abendrunde heute auch fix und fertig mit den Nerven. Es kostet so viel Kraft geduldig und gelassen zu sein, wenn man sich eigentlich nur noch in Luft auflösen will, wenn der eigene Hund komplett am zerren und austicken ist (wegen ner duftstelle oder anderem hund) 🙈

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    1. Ohje… Ja, das stimmt. Da kann man echt nichts von seinem Hund erwarten, wenn man selber nicht in der Spur ist. Aber leichter gesagt als getan. Und dann haben Labradore auch noch diese geballte Energie 😅

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  6. Wow, Noemi, ich finde es erstaunlich, wie selbstkritisch du bist. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich das selber so bemerken würde, dass ich meine Hunde anstecke. Und dann macht es obendrei noch den Eindruck, als würdest du wirklich über alle dem stehen und einfach sagen können „morgen wird’s besser“….
    Da bin ich ja leider ganz anders. Etwas, wo ich unbedingt an mir arbeiten muss. Wenn bei mir etwas nicht funktioniert, bin ich frustriert 😀
    Hut ab! Das ist eine tolle Eigenschaft

    lg Alina

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    1. Danke. Das musste ich selber aber auch mit viel Geduld und Einsicht lernen. Früher habe ich die Schuld bestimmt als letztes bei mir gesucht. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion kam während meiner Berufsausbildung, manchmal war das auch ganz schön verletzend und schmerzhaft. Mit Feedback, Videoanalysen etc. Wie ist meine Körpersprache, wie wirke ich auf andere Menschen, was übertrage ich unbewusst auf andere Menschen? Und Carsten hat mir dann geholfen, dies auf meinen Hund zu übertragen.

      Jeder kann das üben. Man braucht nur erstmal jemanden, der einem das ehrlich zurückmeldet und muss sich darauf einlassen, auch wenn das mal bedeutet, auch negative Kritik anzunehmen und es beim nächsten Mal dann besser zu machen…☺

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