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„Finn Seelenspiegel“ von Aruna M. Siewert – eine Buchrezension

„[…] ich war bis zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, diese Blicke zu deuten oder sie auch nur als Kommunikation wahrzunehmen. Ich war viel zu wenig mit ihm“ (Siewert in Finn Seelenspiegel, S. 195).

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Cover des Buches

Wer selbst Halter eines anspruchsvollen Hundes (egal ob ängstlich, aggressiv, hyperaktiv,…) ist, sollte die Tragweite dieses Satzes gut nachvollziehen können. Das Zitat stammt aus dem Buch „Finn Seelenspiegel – Die ersten Jahre mit meinem Hund vom Tierschutzbund“. Das Buch aus dem Jahr 2017 wurde von der Autorin Aruna Meike Siewert in Eigenverlag veröffentlicht. Das Buch ist für 12,99€ erhältlich, wobei man mit jedem Kauf einen Euro an die Tierschutzorganisation „STREUNERHerzen e.V. spendet.

Aruna Siewert hat dadurch, dass sie das Buch in Eigenverlag verkauft, Kontakt zu verschiedenen Hundebloggern aufgenommen und einige kostenlose Exemplare zur Leseprobe verteilt. Da mich diese Geschichte aus (wie ihr euch denken könnt) persönlichen Gründen extrem nteressiert hat, habe auch ich Aruna kontaktiert – mit Erfolg. Vielen Dank an Aruna Siewert


Wovon handelt das Buch? Auf ca. 200 Textseiten beschreibt Aruna Siewert anschaulich ihre Geschichte mit Ehemann und zwei Hunden, die sie zu unterschiedlicher Zeit von zwei unterschiedlichen Tierschutzorganisationen bekommen haben und mit denen sie eine Berg- und Talfahrt hinsichtlich von Kommunikation, Verhalten und Gefühlen erlebt hat.

Zunächst war der Wunsch nach einem Hund da. Für Aruna und ihren Ehemann Rainer, beide zu dieser Zeit noch nie Hundehalter gewesen, stand es außer Frage, dass sie gerne einem bedürftigen Hund von einer Tierschutzorganisation ein Zuhause bieten wollten. Nach einiger Bedenkzeit und nach mehreren Kontaktaufnahmen zu verschiedenen Hunden, zog die Mischlingshündin Ella bei ihnen ein. Ella zeigte damals sehr ungestümes und aktives Verhalten, doch für Aruna und Rainer war alles neu und wunderbar. Somit wurde das Verhalten nicht als problematisch wahrgenommen. Nach nicht allzu langer Zeit wünschten sie sich einen Zweithund und entschieden sich nach weiteren Kontaktaufnahmen für Finn, den Namensgeber des Buches. Finn stammte aus Rumänien und ihm war dort mutmaßlich nur Schlechtes widerfahren. Doch speziell Aruna verliebte sich in den noch sehr jungen Hund und so entschieden sie sich für die Aufnahme.

Finn stellte sich als extrem empathischer und sensibler Hund heraus. Viele alltäglichen Situationen bereiteten ihm Angst. Er verfiel schnell in Schockstarre und das Ehepaar hatte den Eindruck, er würde sich niemals an das Stadtleben gewöhnen können. Sie entschieden sich unter anderem aus diesem Grund für einen Umzug in ländlichere Gefilde. Der Umzug ging jedoch (auch aus beruflichen Gründen) schleppend voran und in dieser Zeit zeigten sich immer wieder Komplikationen und Konfliktsituationen mit den beiden Hunden und anderen Personen.

Aruna las sich immer wieder in Foren, Büchern etc. ein und informierte sich. Auch schaute sie sich geduldig und motiviert verschiedenste Hundetrainer und ihre Ansätze an. Aruna als sehr reflektierte Frau versuchte sich immer nur das vom Training mitzunehmen, was sie mit sich und ihrem Wesen vereinbaren konnte. Leider gab es jedoch auch Unstimmigkeiten innerhalb der Familie, was die Erziehung anging. Wie ihr erahnen könnt, traten im Laufe des Buches immer neue Probleme und Schwierigkeiten auf. Bis Aruna eines Tages noch selbstkritischer reflektierte: Was wollte sie eigentlich für sich und ihre Hunde? Was war ihr gemeinsames Ziel? Des Weiteren verstand sie, dass Finn auf ihr Verhalten und ihre Gefühlswelt reagierte und dass sie Mitschuld am Gebaren des Hundes trug.

Aruna änderte ihre mentale Perspektive in Hinblick auf die Hunde und die Erziehung. Sie begann langsam, ihre Hunde zu verstehen, sie anzunehmen und ihnen mit Geduld und Ruhe zu begegnen. Ab dem Tag an änderte sich vieles in ihrem Leben.


Meine Meinung zu „Finn Seelenspiegel“: Beim Lesen konnte ich mich in vielen Situationen mit Aruna Siewert und ihren Erlebnissen identifizieren. Das Buch ist sehr kurzweilig geschrieben und man hat den Eindruck, dass Aruna einen in die Geschichte eintauchen lässt. Sehr bildlich und schön beschrieben, mit viel Herz und seltener Situationskomik. Aruna hinterfragt Trainingsmethoden, reflektiert sich und andere Personen und findet so ihren individuellen Ansatz, um mit ihren Hunden glücklich leben zu können.

Dies lässt mich zu folgender Meinung kommen: Im Prinzip ist es egal, welchen Trainingsansatz man verfolgt. Das Wichtigste bei der Hundeerziehung ist, dass man sich selber mit dem Ansatz identifizieren kann und dass man in der Lage ist, die Kommunikation seines Hundes zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Jeder ist der Fachmann für seinen Hund und der Hund muss einem vertrauen können. Das bedeutet: Ruhe, Kontinuität, Gelassenheit und eigene innere Stärke.

Aruna zeigt mit ihrem Buch sehr schön ihre eigene Methode auf, zu ihren Hunden zu finden und sollte damit Lesern mit ähnlichen Erfahrungen bezüglich „Angsthund“ Mut machen können. Auch nach vielen Jahren kann man das Verhalten des Hundes durch eigene Einsicht und eigene Veränderungen modifizieren – wenn man sich und seinen Hund zu verstehen lernt.


Also: Ich kann dieses Buch mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Es ist leicht zu lesen und kurzweilig, mit sehr interessantem Inhalt. Das I-Tüpfelchen ist der gute Zweck in Form einer Spende bei Kauf des Buches.

Hier könnt ihr euch selber einen Eindruck verschaffen:

 

Homepage Finn Seelenspiegel + Leseprobe

Finn Seelenspiegel auf Facebook

 

3 Kommentare zu „„Finn Seelenspiegel“ von Aruna M. Siewert – eine Buchrezension

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