Aus unserem Leben

Mia – unser „Traumhund“?

Ich habe auf meinem Blog bereits von meinen anfänglichen Wünschen berichtet, Mia als Therapiebegleithündin ausbilden lassen zu wollen.

Was muss ein Therapiebegleithund mitnehmen? So einiges. Auf jeden Fall folgende Eigenschaften:

  • ein ruhiges Wesen
  • eine menschenfreundliche Ader
  • einen gefestigten Charakter
  • muss sich gerne berühren lassen
  • Gelassenheit in alltäglichen Situationen und Reizen

Wenn wir auf Mia schauen, finden wir grob gesagt folgende Eigenschaften:

  • ein nervöses, hyperaktives Wesen
  • Angst und Misstrauen vor vielen Menschen
  • einen unsicheren, ängstlichen Charakter
  • lässt sich nicht gerne von jedem anfassen
  • sehr schreckhaft und immer wieder nervös bei alltäglichen Situationen

Auf den ersten Blick könnte man sagen: Der Versuch ist wohl fehlgeschlagen. Hund und Mensch passen nicht zusammen. Auch heute, wo ich täglich trainiere und Fortschritte sehe, höre ich beinahe täglich aus dem Umfeld: „Dein Hund hat ja immer noch Angst!“ oder „Die hat ja immer noch eine Macke – ich denke, ihr habt das in den Griff bekommen?“ Tja, was soll ich dazu sagen… Wir lernen, Mias Ängste zu kontrollieren und zu vermindern. Doch die eigentliche Unsicherheit, die Mia wohl schon im Welpenalter entwickelt hat, werden wir nie ganz wegbekommen können.

Als ich diesen Zustand noch nicht akzeptiert habe und mit dem Training nicht weiterkam, war ich täglich frustriert und enttäuscht. Ich hatte eigentlich keine Hoffnung, dass wir das miteinander hinbekommen und wollte Mia abgeben. Auch bei unserem Training mit Carsten hat es etwas gedauert, bis ich verstanden habe, in welcher Situation wir uns befinden. Nachdem ich bei ihm wiederholt frustriert auftrat („Sie hatte schon wieder Angst…), provozierte ich, dass eine anderthalbstündige Trainingssitzung zum knallharten Einlauf für mich wurde. Carsten machte mir deutlich, dass ich auch nach den ersten Monaten noch nicht verstanden hatte, dass Mia für ihr Wesen nichts konnte und wir es nicht wegtrainieren konnten. Es ging allein darum, Mia Kontinuität und Sicherheit zu bieten und vor allem, dass wir unbedingt lernen mussten sie so zu akzeptieren, wie sie ist. Der Tag war für mich ziemlich hart und ich glaube ich war im Anschluss mehrere Tage etwas sauer auf den Trainer (Wieso hatte er so nachgetreten, als ich gefühlt schon am Boden lag)?.

Aber danach ging es plötzlich steil bergauf. Ich war in der Lage, mich wieder auf das Training zu konzentrieren. Jede Angstreaktion meines Hundes tat ich mit einem gedanklichen „Was soll’s“ ab. Ich reflektierte extrem stark mein Verhalten und war während des Trainings nicht mehr abgelenkt, sondern fokussiert bei Mia. Und plötzlich war ich in der Lage, Mia komplett zu akzeptieren und sie so anzunehmen, wie sie ist. Plötzlich wurde unsere Mensch-Hund-Beziehung inniger als zuvor, sie suchte mehr Kontakt zu mir und ich liebte sie einfach noch etwas mehr als zuvor.

Ich habe mich bei Carsten im Nachhinein explizit dafür gedankt, dass er mich „aufgeweckt“ hat. Durch seine harten aber ehrlichen Worte konnte er meine Perspektive in Bezug auf meinen Hund ändern und seitdem kann ich mit vollkommener Unbefangenheit an die Sache heranzugehen. Es ist erstaunlich, wie sehr der Hund sich alleine schon ändert nur weil man ihn zu 100% akzeptiert.

Alles in allem kann ich sagen, dass Mia ein absoluter Traumhund für mich ist. Wie sagt man so schön – jeder Mensch bekommt den Hund, den er braucht.

Natürlich brauche ich keinen ängstlichen Hund. Aber ein Hund, der so viel Ruhe und Konzentration erfordert, der mein Selbstbewusstsein und meine Sicherheit braucht, tut mir einfach persönlich unglaublich gut.

  • Wo  ich früher immer sehr hektisch, schnell und chaotisch war, bin ich in der Anwesenheit von Mia ruhig und strukturiert.
  • Wo ich früher etwas unsicher war und mich zu viel fragte, was Menschen über meinen Hund und mich denken könnten, bin ich nun selbstbewusst, stehe zu uns und bin überzeugt von dem, was ich tue.
  • Früher neigte ich dazu, bei Spaziergängen in meinem Handy zu versinken oder zu telefonieren. Welch eine Zeitverschwendung – nun nehme ich die Natur bewusst wahr und genieße. Es gibt keine bessere Achtsamkeitsübung als einen ängstlichen Hund auszuführen.

Alles in allem kann ich sagen, dass Mia und ich uns mittlerweile gegenseitig sehr gut tun. Der Weg dahin, dass sie mehr von ihren Ängsten abgibt, ist noch weit. Aber das Training mit ihr und jeder kleinste damit verbundende Fortschritt gibt uns Recht.

 

 

 

 

 

9 Kommentare zu „Mia – unser „Traumhund“?

  1. Ich finde es super, dass Du Dir Carstens Kritik zu Herzen genommen hast. Das war das Beste was Mia passieren konnte. Durch Deine anfängliche Erwartungshaltung hast Du Ihr nicht geholfen. Von einem Angsthund sollte man erst einmal nichts erwarten. Ihm Sicherheit geben und Ihn seiner Anlage entsprechend fördern. Dann kannst Du viel an seinem Verhalten besser und viel auffangen. Unsere Chica war ein Panikhund, der keine Sozialisation im Welpenalter erlebte. Sie hing an einer Kette und erlebte Menschen als nichts Gutes. Auch wenn viele Hundeexperten sagen, so ein Hund hat keine Chance auf ein normales Leben. Das stimmt einfach nicht. Man braucht Geduld und darf keinen Druck ausüben. Chica ist ein Podenco, die angeblich sehr schwer zu erziehen sind. Sie gehorcht aber hier aufs Wort. Alles was sie jetzt kann, hat sie erst nach ihrem 6. Lebensjahr bei mir gelernt.
    LG Susanne

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  2. Ich bin ja der Meinung, dass man Dinge nur ändern/verbessern kann, wenn man Kritik an sich heranlässt und selbstreflektiert beobachtet, ob die Kritik angebracht ist oder nicht. Wenn man dann befindet, dass die Kritik rechtens ist, muss man sein Verhalten dementsprechend natürlich dann modifizieren.

    Ja, solange man in einer bestimmten Erwartungshaltung an seinen Hund ist und er ihr nicht gerecht werden kann, tut man ihm natürlich unrecht und strahlt dem Hund diese Unzufriedenheit/Unsicherheit/was auch immer aus. Nur wenn man völlig ohne Erwartungen und Druck an die Sache herangeht, gibt man dem Hund die Chance, das Potenzial zu zeigen.

    Super, was du mit Chica erreichst. Das zeigt wieder mal, dass Hunde Fehler verzeihen und man immer die Chance hat, neu zu beginnen und unbefangen ans Training heranzugehen.

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  3. Es ist toll, dass du und Mia so zueinander gefunden habt. Mir geht es mit Kalle ähnlich wie euch. Er ist nach wie vor unsicher und kein Hund, der auf der Hundewiese tobt oder entspannt durch die Stadt spaziert. Ich war da auch häufig verunsichert, ob es nicht längst viel besser mit seiner Angst sein sollte, gerade weil ich ebenfalls immer wieder Kommentare wie „Ist der denn immer noch ängstlich?“ zu hören bekomme. Es hilft mir sehr zu wissen, dass auch andere Hunde ihr Verhalten nicht nach einer bestimmten Zeit komplett ändern. Und du hast absolut recht: Einen ängstlichen Hund auszuführen ist die beste Achtsamkeitsübung, die es gibt. 🙂 Früher war ich nie so aufmerksam wie heute. Auch wenn ein ängstlicher Hund das Leben nicht unbedingt einfacher macht – man lernt eine Menge. Ich würde auf Kalle nicht mehr verzichten wollen. 🙂

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  4. Ja, etwas wo ich z.B. 2 Jahre gebraucht habe um das zu verstehen, werden viele Außenstehende vielleicht auch gar nicht begreifen. Carsten vergleicht das Wesen des Hundes gerne mit einem Stück Kuchen und wenn der Hund Angst hat, wurde ihm evtl. in der Prägephase ein Stück des Kuchens weggenommen. Dieses Stück wird man nicht wiederkriegen, aber durch unser Verhalten können wir die Lücke füllen. Diesen Vergleich finde ich schön bildlich und verständlich. Natürlich kann man das Wesen nie komplett verändern und trotzdem kann man durch eigenes Auftreten so viel verbessern. Ich finde, das nimmt einem auch viel Druck weg!

    Ich find es toll, dass du meine Erfahrungen so sehr teilen kannst 🙂

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  5. Ich hab ja auch so meine Probleme mit meinem Stinker. Auch ängstlich, aber seine Devise ist, aus der Angst heraus: Angriff ist die beste Verteidigung! 🙄
    Und er würde sogar beißen.
    Ich versuche auch immer wieder entspannt zu bleiben, aber sobald wir draußen sind, bin ich Luft. Da nützt kein Leckerli, die der sich bei Belohnung zwar schnappt und dann wieder der King der Straße ist.
    Weibchen gegenüber ist es okay, aber wehe uns läuft ein Rüde über den Weg oder er riecht den nur, wir sehen noch nicht mal meinen Hund , da kriegt er schon die Kratzbürste , zieht wie verrückt und will dahin abgreifen . Selbst wenn es nur eine Markierung ist und der Rüde längst weg.
    Ich muss immer Achtsam bleiben, meine Augen überall haben.
    Eigentlich bräuchte ich auch einen Trainer, aber das lässt zur Zeit mein Portmonee nicht zu.
    Ich weiß nicht, warum er so ist. Den Aufpasser hatte er von Anfang an mitgebracht. Am Anfang konnten wir ohne Leine gehen , aber in der Pubertät kippte das ganze von einem Moment zum anderen. Was in seinen ersten drei Monaten passiert war, weiß ich nicht, weshalb er überhaupt so ängstlich ist.
    Ich finde es gut, wie du mit Mia arbeitest. Ich habe schon alles probiert und scheitere immer wieder. 😫

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    1. Puh, wenn der hund dann auch noch tendiert nach vorne zu gehen muss man natürlich auch noch mehr aufpassen. Klingt mir auch ein bisschen nach einem Fall für einen Trainer wie Carsten, wo der Hund erstmal lernt die Kontrolle an dich als rudelführer abzugeben damit er dir in solchen Situationen traut und weiß dass er nicht handeln muss. Vielleiczrbklaoot es ja irgendwann noch mit einem Trainer der dann auch weiß was er zu tun hat. Ich drücke die Daumen!

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      1. Alleine kriegt man das einfach nicht hin. Hab auch mal gelesen, dass man es dadurch alles schlimmer macht. Es muss ein Trainer her. Man merkt ja die Fehler , die man macht, selbst nicht.
        Ich bezweifle aber, ob man das noch aus meinem Hund noch raus bekommt? 🤔😅

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  6. Also wenn du meine ganze Geschichte gelesen hast weißt du dass man es raus kriegen kann bzw so verändern kann dass es besser wird. Eine andere Bloggerin hier schrieb dass sie solche Veränderungen geschafft hat als der Hund über 6 war. Ich denke das kann man immer schaffen mit den richtigen Leuten an der Seite. Wenn du möchtest schreibe mir doch über Kontakt eine Email dann können wir ausführlicher reden 🙆‍♀️🐾☘

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