Unsere Geschichte

Das Training – der Schlüssel zum Erfolg

Mittlerweile trainieren wir seit ca. 5 Monaten mit Carsten, in denen sich schon deutliche Verbesserungen sowohl bei Mia als auch bei uns zeigen. Im Training wird nicht mit Bestrafung gearbeitet, sondern nur mit geduldiger Konsequenz und ruhigem, intensiven Lob. Da Mia sehr sensibel und schreckhaft ist, gehen wir alles langsam und Schritt für Schritt an.

Zu Beginn war Mia an der Leine frustriert, winselte oder stand wedelnd auf, sobald wir uns bewegten. Doch schon nach kurzer Zeit war ein Anleinen nicht mehr erforderlich, da Mia sobald sie aufs Kissen ging, Ruhe fand. Es waren die ersten Male, dass sie richtig tief und lange einschlief und wir konnten uns daran einfach nicht satt sehen. Mittlerweile ist es so, dass Mia sich auf der Arbeit und Zuhause automatisch auf ihr Kissen zurückzieht, wenn sie ein lautes Geräusch hört, sich erschreckt oder jemand den Raum betritt. Auf ihrem Kissen legt sie sofort den Kopf ab und atmet tief durch. Teilweise schläft sie in der Praxis schon nach wenigen Minuten fest ein und die Patienten amüsieren sich über ihr tiefes Schnarchen.

Jedes Training bringt natürlich auch Einbußen mit sich und so war es, dass der Kontakt zu anderen Hunden, vor allem das Spiel, erst einmal unterbunden werden sollte. Dies hatte zum Zweck, dass Mia zur Ruhe kommen und sich erst einmal nur auf uns konzentrieren sollte. Carsten beschrieb die Spielabstinenz mit einem Menschen, der sich für einige Wochen zur Meditation zurückzieht und dabei ja auch nicht verlernt, mit anderen Menschen umzugehen (sogar im Gegenteil!). Am Anfang stellten wir uns das unmöglich vor, hatten wir sie eine Zeit lang nur mit Hunden spielen lassen, damit sie ausgelastet wird. Doch wir merkten schnell, dass es nicht fehlte. Es war unsere Chance, dass wir für Mia interessant wurden, denn die ganze Interaktion und Kommunikation fand nur zwischen uns statt.

Den Impuls mit Zischlaut musste ich wirklich lange üben. Einerseits, weil er energievoll und stark sein soll – was ich anfangs mit angeknacktem Selbstbewusstsein nicht gut hinbekam. Andererseits weil es niemals strafend oder auf den Hund gehen soll, sondern immer vorausschauend gegen einen entgegenkommenden Reiz. Das Timing ist dabei wichtig, ich beanspruche den Reiz, bevor Mia in eine Reaktion fällt. Sprich, ein Mensch kommt entgegen. Früher hätte Mia gebellt. Jetzt zische ich in Richtung des Mannes und laufe weiter. Mia entspannt sofort und läuft mit mir mit. Ich habe mit dem Zisch quasi gesagt: „Mein Mann, du kannst entspannen“. Mittlerweile ist der Zisch in Fleisch und Blut übergegangen und der Impuls wird nicht mehr benötigt.

Es folgten natürlich weitere Trainingsstunden mit neuen Aufgaben für Mia.  Mia sollte Vertrauen zu uns bekommen und gleichzeitig Ruhe erlernen. Dafür sollten wir sie beim Spazierengehen absetzen und uns zunächst einen Schritt und nach und nach mehr entfernen. Mia lernte, auf uns zu schauen und äußere Reize auszuhalten.

Endlich hatten wir wieder Kraft und trainierten ausgiebig. Das machte sich bezahlt, wir konnten beinahe täglich kleine Fortschritte vermerken. Mia konnte plötzlich sogar neben Hunden sitzen, wenn sie es sollte. Sie war so konzentriert auf uns, dass sie immer seltener Passanten auf der Straße anbellte. Und das Unglaubliche: Wir wussten schnell gar nicht mehr, wie es sich anfühlte, wenn Mia an der Leine zog 🙂

Zurzeit üben wir das Deckentraining. Bei Spaziergängen sollen wir sie an verschiedenen Orten auf ihrer Decke ablegen. Von dort aus erträgt sie Reize und lernt, dass ihr auf ihrer Decke nichts passiert. Das Ziel ist es, dass wir sie später überall auf ihrer Decke ablegen können, und dass sie dort dann schnell Ruhe und Entspannung finden kann. Auch das Training wurde langsam begonnen und in Zeit und Distanz langsam gesteigert. Mittlerweile legt Mia für längere Zeitintervalle den Kopf ab und entspannt. Die Schlüsselwörter sind immer wieder Ruhe und Vertrauen.

Wir erfreuen uns regelmäßig an großen und kleinen Erfolgserlebnissen. Während Mia früher Angst vor dem Bürsten hatte und quasi in Schockstarre verfiel, dreht sie sich nun entspannt auf den Rücken, schaut mir voller Vertrauen in die Augen oder schläft beim Bürsten beinahe ein. Überhaupt sucht Mia mittlerweile viel mehr Blickkontakt und hält ihn entspannt aufrecht. Sie sucht häufig unsere Nähe. Es ist schön, sie streicheln zu können, ohne dass sie sich wie elektrisiert bewegt oder Übersprungshandlungen zeigt (Kuscheltier greifen, los springen etc.) Wenn wir draußen sind, drückt sie sich an mich wenn ein Stressor kommt und läuft mit mir  sicher weiter. Gestern gab es beim Training ein neues Erfolgserlebnis und zwar konnte Mia unter der Ablenkung von mehreren Hunden überwiegend entspannt mitlaufen.

IMG-20170623-WA0010

Wir haben natürlich noch viel zu tun und müssen dabei bleiben. Natürlich grunzt sie noch vor Aufregung, wenn sie einen Hund sieht und stürmt los, wenn sie die Chance dazu hat. Meistens aber kämpft sie mit sich und bleibt bei mir, schaut immer wieder zu mir und entspannt sich schnell wieder. Das A und O sind Ruhe und Akzeptanz. Wenn es einen Rückschlag gibt, ist es kein Rückschlag, sondern ein Fehler. Und ein Fehler ist gut und bietet die Chance, etwas beizubringen. Und auch der Satz „Na und, dann springt sie halt zum Hund – das muss sich  noch gar nicht können. So weit ist sie noch nicht“ hat mir während des Trainings immer wieder als Mantra gedient. Seit wir das Training machen, sind die Spaziergänge viel bewusster und konzentrierter, wir sind bei Mia und sie ist bei uns. Mia vertraut uns. Das sorgt auch dafür, dass sie auf der Arbeit im letzten Monat nur noch einmal gebellt hat und das war, als viele Reize aufeinander folgten und sie etwas zu sehr bedrängt wurde.

Sie ist neugieriger und selbstbewusster geworden, zeigt nur noch in seltenen Fällen einen Kamm oder eine geduckte, gebuckelte Haltung. Manchmal sagen wir, sie ist ein ganz anderer Hund geworden. Und sie wirkt jetzt schon viel zufriedener und glücklicher. Und auch wir sind viel gelassener und selbstbewusster geworden. Sie läuft mittlerweile auch ohne Leine neben mir – auch ohne Kommando, weil sie mir vertraut, dass ich weiß, wo es langgeht. So gehen wir gemeinsam an Hindernissen vorbei, die sie ansonsten zur Flucht gedrängt haben.

Wir werden mit dem Training so auf jeden Fall fortfahren und die Intensität mithilfe von Carsten langsam steigern, damit Mia sich weiter stabilisieren und in so eine schöne Richtung entwickeln kann. Und wir sind jeden Tag dankbar für die Begegnung mit dem Trainer, der unseren Hund und uns versteht.

In diesem Sinne geht mein Dank an Carsten Wagner ! 🙂

 

17 Kommentare zu „Das Training – der Schlüssel zum Erfolg

  1. Das sieht richtig gut aus, wie Mia entspannt neben dir und auch in der Gruppe läuft. Du kannst stolz sein, dass du es geschafft hast ihr eine solche Sicherheit zu geben ♥ Das Training ist ähnlich, wie ich es auch mache, bei Anežka hilft es sehr mit „Zeigen und Benennen“ zu arbeiten, gerade, wenn es um Menschen geht, was ja ihr Schwachpunkt ist.
    Bei einem solchen Hund muss man eben immer konzentriert und vorausschauend sein, alles sehen bevor sie es sieht. Es ist anstrengend, aber es macht eben auch Spaß, weil sie so bei mir ist.
    Ist dieser Teil jetzt der aktuelle Zeitraum?

    Gefällt 1 Person

    1. Zeigen und benennen kenn ich nicht, aber du hast recht. Man muss bei so einem Hund immer voll dabei sein und schnell reagieren, aber das find ich richtig passend für mich denn in der Zeit wo ich mit ihr nicht mehr weiter wusste, habe ich resigniert, sie ihr Ding machen lassen, sie mit anderen Hunden toben lassen, aber wir haben uns nicht mehr miteinander auseinander gesetzt. Die Bindung ist jetzt viel stärker geworden! Ja genau, das Foto mit dem Trainer und dem Hunderudel entstand am Freitag und ich werde jetzt im Blog aktuell berichten, eventuell mit ein paar Exkursionen in die Vergangenheit ☺

      Gefällt mir

      1. Super, darauf freue ich mich 🙂
        Zeigen und Benennen ist eine schöne Methode bei unsicheren Hunden. Also, wenn du einen Menschen auf Abstand siehst machst du deinen Zischlaut und Mia beruhigt sich. Wenn ich einen Menschen sehe, sage ich „Anežka Mensch“ zeige ihr die Richtung, sie nimmt ihn wahr, schaut zu mir und bleibt dann konzentriert bei mir, sie bekommt einen Keks, wir suchen den Dummy oder spielen, manchmal gibt es auch nur Lob oder Knuddeln. Das Problem war ja bei ihr immer, dass sie es oft nicht zuordnen konnte, ein Mensch der läuft ist eben was anderes, als ein Mensch der auf der Wiese liegt, auf dem Rad sitzt oder im Rollstuhl. Jetzt verbindet sie MENSCH eben einfach mit etwas schönem, was sie nicht verbellen muss.

        Gefällt 1 Person

      2. Das klingt wirklich auch nach einer super Methode. Vielleicht hätte das bei Mia auch geklappt, aber wenn wir es wie bei der 2. Trainerin mit Clicker und Leckerli versucht haben, waren die Ablenk-faktoren dann doch immer interessanter für ihren Trieb als wir und unsere Belohnungen. Wahrscheinlich auch weil sie nie vorher gelernt hatte, dass wir Spaß machen und sie uns vertrauen kann. Aber vom Prinzip her ist es ja ein bisschen ähnlich – man nimmt den Reiz an und zeigt dem Hund, dass man aufmerksam ist und er nicht negativ handeln muss ☺

        Gefällt mir

      3. Genau, so groß ist der Unterschied nicht.

        Jetzt bist du ja schon länger im Training, aber mich würden mal die Feinheiten der ersten Zeit interessieren. Das klappte ja sicher nicht von heute auf morgen sofort und du hast sicher auch erst Selbstvertrauen aufbauen müssen.
        So die ersten Spaziergänge, wenn was entgegen kam, ist sie bestimmt noch in die Leine gegangen. Wie hast du dann reagiert?

        Gefällt mir

      4. Es war so, dass ich mich wirklich ganz extrem und bewusst konzentrieren musste, was ich vorher nie getan habe. Es gab wirklich schon innerhalb von 2-3 Tagen den Fortschritt, dass Mia durch den Leinenimpuls und Geräusch regelmäßig zu mir sah und langsamer lief. Aber anfangs war ich noch sehr zögerlich und traute Mich auch nicht immer laut zu zischen, vor allem wenn die Menschen mich schon komisch ansahen. Mein Selbstvertrauen war in der Tat ziemlich angekratzt. Solche Situationen führten dann prompt dazu, dass Mia in die Leine sprang und alte Verhaltensmuster zeigte. Das hat mich gerade in der ersten Zeit ziemlich mitgenommen. Wenn ich Carsten davon berichtet habe, hat er aber sofort dafür gesorgt, dass ich anders darüber denke. Wie gesagt, viel Theorie… Hat mir erklärt dass Mia ganz dringend Führung und Kontinuität braucht. Dass sie sehr unsicher ist und ich das in die Hand nehmen muss. Dass ich mich von Menschen nicht beirren lassen soll und konsequent weiter machen soll auch wenn doofe Kommentare kommen. Und Fehler bezeichnete er halt als Chancen, da man auf Fehler reagieren kann und erst dann ein Lernerfolg eintritt. Das hat ziemlich lange gedauert. Vor 2 Monaten oder so hatte ich mich mal etwas gehen lassen und dann gesagt dass Mia Rückschritte macht. Das hatte zur Folge, dass der Trainer mir 1,5 Stunden einen Arschtritt verpasste und mir erklärte dass ich bei Mia nicht aufhören darf, weil sie mit so einem schwankenden Verhalten nichts anfangen kann. Danach war ich glaub ich 3-4 Tage richtig sauer auf den Trainer. Und danach begann das Umdenken und ich verstand, wie wichtig meine Perspektive auf diese Sache ist und ich habe mich wieder konzentriert und bemüht. Seitdem gibt es wieder in Sprüngen Fortschritte zu feiern. Aber den Arschtritt habe ich echt gebraucht um aus mir raus zu kommen. Diesen Fall wollte ich aber gerne nochmal in einem extra Beitrag erzählen weil es bestimmt vielen beim Hundetraining so geht.

        Und seit ich wieder in Spur bin und entspannt und selbstbewusst, seitdem ist Mia auch viel positiver in ihren Fortschritten.

        Gefällt mir

      5. Klasse, lieben Dank für deine ausführliche Antwort, das kann ich gut nachvollziehen. Es kostet alles sehr viel Kraft und manchmal kommt man eben an den Punkt, wo man denkt, man kann nicht mehr und es macht eh alles keinen Sinn..
        Gerade so sensible Hunde spüren ja ohnehin ganz intensiv unsere Stimmung und kleinste Veränderungen.

        Gefällt 1 Person

      6. Ja, da sprichst du mir aus der Seele. In dem Moment habe ich es auch einfach gebraucht, dass mir mal richtig die Meinung gegeigt wird und seitdem macht es echt wieder Spaß und nichts kann mich so leicht nerven. 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Ein super schöner Artikel wie ich finde. Entspannen und Runterkommen ist soooo wichtig für die Fellnasen. Bei sensiblen Hunden wie Mia ist es sehr wichtig selbst ruhig zu bleiben und keine Hektik reinzubringen. Ich selbst habe auch einen sehr sensiblen Vierbeiner ❤

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deine Meinung 🙂 ja, es erfordert viel Selbstbeherrschung und Konzentration, was ich toll finde. Es bringt mich dazu, selber alles bewusster wahrzunehmen. Ich war früher ein hektischer Mensch. Das Training gleicht mich total aus.

      Gefällt mir

  3. Ich freue mich sehr über Eure Erfolge. Es ist kaum zu glauben, was Ihr tatsächlich erreicht habt. Auch wenn ich – mangels Erfahrung zu den Trainingsmethoden nichts sagen kann- bin ich schwer beeindruckt. Und ich freue mich für Mia, die dank Euren Einsatzes ein schönes Leben haben wird. Was wäre wohl gewesen, wenn sie in der Familie hätte bleiben müssen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    Gefällt 1 Person

  4. Klasse, eure Fortschritte 🙂 Ich wünsche euch dass es so toll weiter geht 🙂 Wir sind seit März dabei intensiv mit dem Clicker zu trainieren. Bei Diego kein Problem, er kannte es ja von früher und ist so futtergeil, dass er bald im Kreis grinst, wenn er den Klick nur hört 😀 Bei Kayla ist es schwieriger, typisch Podenco. Sie nimmt oft draußen kein Leckerli, aber mit der Stimme reicht ihr auch als Lob. Wir konditionieren positiv – vor allem bei Hunden, Radfahrern, Menschen – allem was Angst macht und dadurch teils heftige Aggressionen ausgelöst hat. In den ersten Wochen echt schwierig. Jeder Blick, jedes Ohren in die Richtung stellen usw. – klick, Leckerli, Lob. Das verlangt viel Konzentration. Die Hunde haben es schnell verstanden und die Fortschritte sind immens 🙂

    Die Decke als Ruhepol für alltägliche Situationen finde ich super 🙂

    Weiterhin viel Geduld! 😀

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s