Unsere Geschichte

Euer Hund hat Angst – na und?

Ein paar Tage nach der Begegnung hatten wir unseren ersten Termin mit dem Hundetrainer namens Carsten. Zuerst stand ein ausführliches Anamnesegespräch auf dem Plan. Hierfür kam Carsten zu uns nach Hause, um sich einen guten Gesamteindruck verschaffen zu können. Er stellte uns Fragen zu Mias Vorgeschichte, zu bestimmten Verhaltensmustern, schrieb alles mit und sicherte sich ab, dass Mia keine Erkrankungen etc. habe. Während des Gesprächs stand Mia andauernd auf, lief wedelnd zu Carsten, ließ sich streicheln und legte sich danach wieder ab. Carsten kam zu dem Schluss, dass Mia nicht gelernt habe, wo ihr Platz sei. Demnach bräuchten alle Hunde, vor allem so unsichere Hunde, unbedingt einen Platz zum Zurückziehen, auf dem sie sich sicher fühlen würden. Wir verteidigten uns und sagten, dass Mia ihre Kissen habe, auf denen sie immer lag. Doch der Trainer erklärte uns, dass sie das Kissen scheinbar noch nicht mit Ruhe und Sicherheit verknüpft hat. Unsere erste Aufgabe war es somit, Mia sowohl zuhause als auch auf der Arbeit am Platz fest zu leinen, damit sie sich mit ihrem Platz auseinandersetzte und zur Ruhe gebracht werden konnte.

Nach dem ausführlichen Gespräch wollte Carsten sich einen ersten Eindruck von Mia verschaffen. Wir sollten sie anleinen wie immer und mit ihr raus gehen. Auf dem Weg zu ihrem Gassi-Platz zog sie ungeheuerlich an der Leine und achtete wieder rein gar nicht auf mich. Auf dem Weg zeigte sie zusätzlich erste Ängste, erschrak sich vor Geräuschen und wollte flüchten. Der Trainer blieb locker und sprach gelassen zu ihr, während mein Partner und ich schon wieder Stress aufbauten.

Dann wollte er die Leine übernehmen und sich selber einen Blick verschaffen. Ich war etwas schadenfroh und dachte mir, bei ihm würde es wohl auch Schwierigkeiten an der Leine geben, nachdem zwei Trainer die Leinenführigkeit nicht hinbekommen hatten. Doch er nahm Mia an die Leine und als sie zog, gab er einen Leinenimpuls und machte ein Zischgeräusch. Mia blickte zu ihm und stellte sich neben ihn. Nach 2-3 Wiederholungen war sie ganz bei ihm, wirkte konzentriert, wach und gelassen. Ihr Schwanz war oben, sie wedelte freundlich. Mein Partner und ich sagten scherzhaft, dass Carsten wohl zaubern könnte. Er ließ uns üben und auch bei uns zeigte sich sehr schnell ein Fortschritt. Es war ungelogen das erste Mal seit wir Mia hatten, dass sie beim Laufen auf uns achtete und noch dazu in eine entspannte Körperhaltung überging. Auch dieses Training sollten wir fortsetzen, erst einmal natürlich möglichst ohne Reize.

Das Wichtigste an diesem Tag war aber wohl die Theorie, die wir lernten und die veränderte Perspektive, die Carsten uns mitgab. Er erklärte uns, dass Mia ihre Unsicherheiten aufgrund ihrer Erfahrungen nie ganz verlieren wird und dass es umso wichtiger sei, dass wir ihre Schwächen kennen und damit arbeiten können. Wir sollten uns aktiv einbringen, wenn wir merken, dass Mia in eine unruhige Situation kommt. Er sprach viel von Akzeptanz und Wertschätzung und davon, dass wir für den Hund authentisch sein müssen. So sagte er uns, dass wir das Training nur machen sollen, wenn wir konzentriert und gelassen sind. Wenn wir genervt sein sollten, muss der Partner übernehmen oder das Training muss pausieren, weil es sonst eh nichts bringen würde.

Als ich fragte, warum sie denn in manchen Situationen so oder so reagierte, kam die Antwort, die ich mir bis heute als Mantra im Kopf vorspreche, wenn ich merke, dass eine Reaktion mich stressen könnte. „Ist doch völlig egal, warum sie Angst hat. Dann hat sie eben Angst – na und? Du kannst es eh nicht verhindern, wichtig ist doch nur, dass du deinen Hund kennst und sie sicher aus der Situation bringen kannst!“. Wir verstanden also, dass das ganze Kopfzerbrechen keinen Sinn machte. Wir mussten Verantwortung übernehmen und selbstbewusst und konzentriert dafür sorgen, dass unser Hund uns vertrauen konnte.

Nach drei Stunden war der Termin beendet und wir fühlten uns gestärkt, viel schlauer in Bezug auf unseren Hund und motiviert, an das Training heranzugehen.

 

6 Kommentare zu „Euer Hund hat Angst – na und?

  1. Spätestens jetzt solltet ihr mit eurem Trainer eine Werbungsprämie vereinbaren, da sicherlich viele verzweifelte Hundebesitzer die Nummer von Carsten haben wollen. 😀

    Er war für euch und Mia einfach der richtige Mann im richtigen Moment.
    Und die Veränderung merkt man Mia deutlich an!

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  2. Super schöööön ♥ Es war wohl Schicksal, dass dir Carsten in dem Moment über den Weg gelaufen ist, als du ihn am dringendsten brauchtest.
    Was mir besonders gefällt, die Akzeptanz, einen Hund eben individuell zu sehen und anzunehmen und ihn nicht in eine Schablone pressen zu wollen.
    Jetzt muss ich mal gleich den nächsten Teil lesen, hatte doch kein Internet… Tzzz, geht ja gar nicht 🙂

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  3. Es ist immer wieder faszinierend, dass es diese Menschen gibt, auf die die Hunde regaieren und die den Menschen helfen können.Ich freue mich, dass Hundetrainer Nummer 3 wohl der richtige für Mia und Euch war.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke, die Euch sehr bewundert, dass Ihr durchgehalten habt und Mia nicht aufgegeben habt

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    1. Ja, das ist wirklich erstaunlich und man hatte wirklich das Gefühl von wegen: der ist es! Wie Harry Potter und sein zauberstab 😂 ich danke dir für deine ehrliche Meinung zu uns 🤗

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