Unsere Geschichte

Das Arbeitsleben beginnt – zu viel, zu aufregend ?

Nach dem gescheiterten Hundetraining wollten wir erst einmal ohne Training weitermachen. Immerhin konnte Mia die Grundkommandos und war stubenrein. Was wollten wir mehr von einem noch so jungen Hund? Wir wussten, dass der Urlaub sich dem Ende neigt und Mia schon die nächsten Tage mit zu meiner Arbeitsstelle kommen würde. Wir wollten erst einmal Ruhe einkehren lassen und Mia an den neuen Alltag gewöhnen. Wir nutzten die letzten Tage für spielerische Einheiten und für schöne Spaziergänge. In unseren Wohnviertel gibt es nicht allzu viele schöne Möglichkeiten, einen Hund richtig gut toben und rennen zu lassen. Bzw. natürlich kann man das machen, allerdings ist das Ordnungsamt in den schönsten Parks besonders häufig auf der Jagd nach leinenlosen Hunden. Dafür gibt es relativ trostlose, hässliche und natürlich eingezäunte Flächen, auf denen die Hunde laufen dürfen. Diese Flächen sind meistens graslos, kahl, voller gefährlicher Buddellöcher für die sich keiner verantwortlich fühlt. Ich kann euch gerne in einem späteren Beitrag anhand von Fotos diese traurigen Plätze zeigen.

Für den Anfang sollte uns solch ein Auslauf jedoch genügen. Mia war in dem Auslauf unbefangen, sie flitzte herum, hob Stöckchen auf, war einfach glücklich.

Wenn ein Hund am Auslauf vorbei lief, sorgte Mia nicht selten für Belustigung. Sie hat noch heute diese Art, ihr Gesicht in Falten zu legen, aufrecht zu tapsen und wie ein Schweinchen zu grunzen, sobald sie einen Hund sieht.

Schon innerhalb weniger Tage merkten wir, dass immer die gleichen Hunde zum Auslauf kamen. Schon bald hätte sich eine Spielgruppe für Mia formiert. Diese Gruppe bestand aus einem nur wenig älteren Golden Retriever namens Buddy (Mia und er spielten wie zwei richtige Retriever, rollten sich am Boden, zogen sich an den Leftzen…),  einem Schäferhund-Mix namens Timmy  (die beiden könnten Ewigkeiten durch den Auslauf rennen und Stöckchen teilen…) und Holly. Holly war ein „Kampfhund-Mix“ aus Spanien. Sie hatte eine schlimme Vergangenheit, mochte keine Männer, mochte viele Hunde nicht, aber mit Mia, Buddy und Timmy spielte sie friedlich und respektvoll.

Anfangs waren wir angespannt und unsicher, mochten es nicht, wenn das Spielen etwas wilder wurde und ein Hund z.B. gejagt wurde. Aber wie oft hörten wir da schon den Satz „Die Hunde tragen das schon untereinander aus!“ So auch, als zwei Huskys der illustren Spielrunde beitraten. Einer der Huskys fühlte sich offensichtlich gestört durch Mias Raserei und unermüdliche Wildheit. Ohne Vorwarnung schnappte sie Mia in den Nacken. Mia quiekte laut auf, unterwarf sich und urinierte. Ich wollte sofort eingreifen, doch der Husky-Halter sagte nur, es würde nichts schlimmes passieren. Sein Hund sei lediglich dominant und würde Mia zurechtweisen, würde aber niemals beißen. In dem Moment zwickte der Husky Mia abermals mit gefletschten Zähnen, obwohl sie bereits regungslos in unterwürfiger Haltung auf dem Boden lag. In diesem Moment wollten wir einschreiten, der Halter ging auf seinen Hund zu. Mia stürmte ängstlich weg und der Husky hinterher, ihr immer wieder in die Seite schnappend. Natürlich hat sie Mia scheinbar nicht wirklich verletzen wollen, denn zum Glück hatte Mia keine Spuren hinterlassen außer etwas ausgerissenes Fell. Aber die Aggression war für mich unverkennbar. Mia kroch danach unter die Bank und der Halter beschloss lieber zu gehen. Auch danach könnte ich Mia für ca. 30 Minuten nicht unter der Bank hervorlocken, egal wie freundlich und ruhig ich mit ihr sprach oder ihr Leckerlies auslegte.

Auch die nächsten Tage rannte sie sofort unter die Bank, sobald sie huskyähnliche Hunde erblickte. Der Halter wollte es gerne noch 2-3 Mal mit den Hunden versuchen, aber ich war dagegen.

Nun begann aber der ernste Teil des Lebens 🙂 der Urlaub war vorbei und ich war aufgeregt. Die erste Woche mit Hund auf der Arbeit! Und ich erinner mich gut an diese Woche. Natürlich brachte ich Mia ein eigenes Kissen mit auf die Arbeit und suchte ihr eine ruhige Ecke im Raum aus. Als ich mit Mia auf der Arbeit erschien, war die Freude natürlich auch bei den Klienten und den Mitarbeitern groß. Jeder wollte sie sehen, streicheln, mit ihr spielen.

Mia zeigte wieder große Stresssymptome, zog unbändig zu allen Menschen hin, sprang an ihnen hoch, urinierte, begann trotz erlernter Beißhemmung wieder an Fingern zu kauen und zeigte Beschwichtigungsverhalten wie starkes Lecken am Maul und an Fingern sowie sich zu unterwerfen. Leider muss ich sagen, dass nicht alle Menschen diese Zeichen erkannten. Vor allem Kinder fanden es süß, wenn Mia an den Händen leckte oder „den Bauch gestreichelt bekommen wollte“. Das hektische schnelle Wedeln war natürlich riesige Freude. Ich versuchte Mia so gut zu schützen wie es ging. Brachte sie auf ihr Kissen, erklärte wieder und wieder, dass Mia Ruhe brauche und nur auf meine Erlaubnis hin gestreichelt werden dürfe. So funktionierte es erst mal. Leider bin ich in meinem Beruf unterwegs zu Hausbesuchen, in Schulen etc. Anfangs wollte ich sie noch nicht so lange alleine lassen und nahm sie mit, versuchte sie auf ihrem Kissen abzulegen. Natürlich viel zu viel für Mia. Sie zog an der Leine, wollte sich überall umgucken, kam nicht zur Ruhe.

Mir wurde klar, dass ich sie daran gewöhnen musste, alleine im Raum zu bleiben. Also fing ich nach und nach damit an.

Wenn Mia alleine war, war sie gestresst, winselte und zerstörte die Raumeinrichtung.   Wenn ich mit Klienten im Raum war, winselte sie durchgehend oder rannte durch den Raum, wollte spielen, wollte die Menschen anspringen. Schlafen konnte sie zu der Zeit nicht mal eine Sekunde.

Nach einigen Monaten hatte Mia immer noch Schwierigkeiten, selbst ohne Reize einzuschlafen. Einmal sah ich vom Gang aus, dass die Reinigungskraft Mia streichelte obwohl ich nicht im Raum war. Ich sah auch, dass Mia unterwürfig auf dem Boden lag. Ich ging sofort in den Raum und sagte, dass Mia ihre Ruhe braucht. Die Reinigungskraft verteidigte sich und sagte, dass Mia sich gefreut und sogar vor Freude gepinkelt habe.

Eine ähnliche Situation erlebte ich ein paar Wochen später mit einer Schülerin. Daraufhin schrieb ich eine Email an alle Mitarbeiter, dass sie sich und ihre Klienten doch bitte daran  erinnern sollten, dass Mia unbedingt zur Ruhe kommen muss und nicht ohne meine Anwesenheit und Erlaubnis gestreichelt werden darf.

Doch dafür war es schon zu spät, Mia hatte nicht gelernt, dass ich auf sie aufpassen konnte. Wenn sie nicht urinierte und sich unterwarf, begann sie wahllos Leute, die den Raum betraten anzuknurren und anzubellen. Noch dazu bekam ich den Eindruck, dass einige wenige Mitarbeiter mittlerweile genervt von meinem Hund waren – wieso bringt man einen Hund mit, wenn niemand ihn anfassen darf und er eigentlich gar nicht da sein möchte?

Wahrscheinlich hätte ich noch viel öfter und deutlicher betonen müssen, dass Mia diese Aufdringlichkeit und das permanente Streicheln nicht ertragen kann. Das ist vielleicht das Laster von einem Labrador – einem Hund, der als so freundlich gilt und noch dazu so niedlich aussieht. Jeder will ihn streicheln. Und noch dazu in einer Einrichtung voller Kinder und Personenwechsel.

Jedoch gab es in dieser Zeit nicht nur schlimme Erfahrungen. Unser Chef entschied sich, einen neuen Labrador zu sich zu holen. Frieda, nur wenige Monate jünger als Mia. Wenn Frieda im Haus war, holte der Chef Mia zu sich ins Büro und ließ die beiden miteinander rennen und spielen. Das war vermutlich ein Highlight für Mia. Und dennoch merkten wir, dass sich die Situation auf der Arbeit in die falsche Richtung entwickelte und beschlossen, dass es Zeit für ein neues Training war.

 

 

9 Kommentare zu „Das Arbeitsleben beginnt – zu viel, zu aufregend ?

  1. Oh je, nicht nur stressig für den Hund, auch sich selbst unter diesen Umständen auf die Arbeit zu konzentrieren ist überaus schwierig.
    „Bitte Hund nicht anfassen…“ eines unserer Hauptprobleme. Wie reagiert(e) Mia, wenn Menschen sich ihr näherten, eher mit Rückzug oder ging sie nach vorne?
    Ich bin schon immer gespannt auf die Fortsetzung…

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  2. Ja das kannst du laut sagen, das hat mir eine Zeitlang auch viel Energie und Lust geraubt was Außenstehende gar nicht so nachvollziehen konnten. Mia neigt immer dazu liegen zu bleiben, aber auch ängstlich wedelnd zu unterwerfen. Ansonsten hat sie eher eine Fluchttendenz!

    Danke dass du so dabei bist:) da ermuntert mich immer schön zum weiter schreiben!

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    1. Das will ich doch hoffen, schließlich will ich wissen, wie du das Problem angegangen bist.
      Anežka neigt leider so gar nicht zur Unterwerfung, sie geht aus Angst eher voll nach vorne *seufz

      Wünsche ein schönes Wochenende 👋

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  3. Die arme Mia, so ein Husky-Trauma. 😦

    Das war natürlich ein anstrengender Wiedereinstieg nach einem anstrengendem Urlaub…
    Aber du musst die armen Menschen auch verstehen, wenn Mia einen mit ihren teuren Augen anschaut, will man sie einfach knuddeln!
    Naja und einem Kind wirst du vermutlich nur schwer begreiflich machen können, das es für den Hund Stress ist, wenn er sich doch augenscheinlich so freut.

    Aber die Reiningungskraft fand ich am besten, “vor Freude gepinkelt habe“. Wer von euch pinkelt nicht sofort los, wenn er sich freut???

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    1. Ja, manchmal bereue ich es ja etwas eine so große Knutschkugel geholt zu haben. 😉 aber im Ernst, ich habe am Anfang unterschätzt wie schwierig es sein kann seinen Hund vor solchen nett gemeinten Übergriffen zu schützen. Viele erkennen die Körpersprache einfach nicht richtig und meinen es ja nicht mal böse. Aber wenn sie dann unbeobachtet ran gehen, die Zeichen ignorieren etc können sie natürlich auch ungewollt das Verhalten verstärken:( daran habe ich am Anfang ehrlich gesagt gar nicht gedacht!

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  4. „Die regeln das schon unter sich“ – einer der meistgehassten Sätze von mir…. Am Ende bin ich es dann die die Situation regeln muss, weil die Halter nicht erkennen dass Kayla grade als Beute an der Leine fixiert wurde und der Hund sich bereits angespannt anschleicht… Da gäbe es noch unzählige Beispiele warum es eben nicht die Hunde regeln sollten – schon gar nicht fremde..!

    https://wolkeswelt205blog.wordpress.com/2016/11/22/beim-spaziergang/

    Viele Menschen meinen es ja wirklich nicht mal böse, aber da müssen sie einfach hören und ihr Verhalten ändern. Da bin ich rigoros.

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    1. Ja, ich denke auch jeder sollte seinen Hund erziehen wie er meint solange er dem Hund und anderen nicht schadet. Aber jeder sollte so verantwortungsbewusst sein dass er den Hund anleint wenn das Gegenüber es auch tut und vor allem einmal hinhören und ernst nehmen was man zu sagen hat und wenn es nur ist „Wir trainieren gerade!“

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      1. Ich finde es schon von vorneherein respektlos fremde Hunde zu meinen laufen zu lassen, obwohl meine sich an der Leine befinden und ich schon einen Bogen gehe, weil Diego sonst vor lauter Angst zur Salzsäule wird. Das ist für mich schlichter Respekt. Fragen kann man immer und dann sage ich, laufen wir ein Stück zusammen, damit sie sich von der Seite kennenlernen können, während sie friedlich schnuppern und laufen. Dann ist auch Diego so entspannt, dass der andere Hund Hallo sagen kann. Wenn der andere Hund mal die Ohren zuklappt und ankommt, müssen wir auch mit klarkommen und sowas üben. Da würd ich auch nie was sagen, man sieht ja ob der Besitzer versucht seinen Hund zu sich zu holen usw. . Aber die Menschen die es schlichtweg nicht interessiert und denen es egal ist wie es meinen Hunden dabei geht, die bekommen direkt ne Ansage. Einmal lass ich das durchgehen, passiert es ein zweites Mal folgt ne Anzeige und ich werde die Kosten des Trainings in Rechnung stellen. Allein diese Androhung hat schon öfter gefruchtet. Dann gelt ich halt als arrogante Zicke – Hauptsache wir können in Ruhe spazieren gehen und trainieren 🙂

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