Unsere Geschichte

Pauschaltraining aus der Schubladenkiste im Düsseldorfer Süden

Wir wurden über das Internet auf unsere erste Trainerin aufmerksam. Nach den Suchbegriffen Welpenspielgruppe und Welpenerziehung stießen wir auf ihren Namen und die Homepage wirkte plausibel und kompetent.

Nach einem freundlichen Telefonat und einem kurzen Email-Austausch stand auch schon unser erster Termin einen Tag später fest. Wahnsinn, keine Anamnese o.ä., wir konnten einfach der nächsten Gruppe beiwohnen und die Trainerin wollte sich ein Bild von Mia und uns verschaffen.

Am nächsten Tag ging es also in einen Düsseldorfer Waldabschnitt. Wir hatten unseren Hund im Gepäck, etwas Weiteres wurde nicht verlangt. Nach kurzem Suchen stießen wir auf die Gruppe. Es folgten erste kurze, freundliche Smalltalk-Gespräche á la „Die ist aber süß, wie alt ist sie?“. Kurz darauf stellte sich die Trainerin vor, eine kleine kurzhaarige Frau. Sie wirkte etwas resolut, jedoch nett und auf ihre Art witzig. Dann begann das Training.

Wir stellten uns alle wie angeordnet in einem Kreis auf. Das Training begann locker mit einer Spieleinheit. Dazu wurden erst einige friedliche Welpen und Junghunde abgeleint und durften miteinander spielen. Die bekanntermaßen Wilderen sollten zunächst an der Leine bleiben. Wenn die Hunde zu stark zogen, sollten die Halter sich so auf die Leine stellen, dass der Hund sich nicht wegbewegen kann. Frustriertes Bellen und Winseln war da vorprogrammiert und sollte ausgehalten werden.

Nach kurzer Zeit durften auch die wilderen Hunde abgeleint werden und mischten die friedlichen, ängstlichen Hunde auf. Mia war eine von den wilderen. Sie stürmte in ihren 5 Minuten mit gekniffenem Schwanz über den Übungsplatz und durch den Wald, teilweise aus Sichtweite. Sie sprang auf die anderen Hunde drauf, rollte über sie hinweg, biss ihnen beim Rennen spielerisch in die Ohren und in die Pfoten. Nicht selten unterwarfen sich Hunde, quiekten laut auf oder fingen an, Mia durch Schnappen oder Zähnefletschen zu warnen. Die Trainerin fing Mia ein und wir sollten sie zunächst wieder an der Leine halten. Mia begann durchweg zu winseln und zu fiepen, doch laut Trainerin sollten wir ihren Frust aushalten.

Nach dieser chaotischen Spieleinheit wurden zunächst „Sitz“ und „Bleib“ trainiert. Alles mit Leckerlies und friedlich. Hier zeigte sich, dass Mia besonders lernwillig und schnell im Training war (Ich glaube, dass ihr diese Eigenschaft später noch zum Verhängnis wurde, da sie grundsätzlich schnell als „fertig“ abgestempelt wurde).

Ab diesem Tag wiederholte sich das Training 2x wöchentlich. Uns blieben also noch 3 Trainingseinheiten bis zum Ende unseres Urlaubs. Wir hatten natürlich das Ziel, dass Mia im Anschluss mit zu meiner Arbeit kommen konnte.

In den nächsten Trainingseinheiten wurde das Training etwas strenger und intensiver. Die Trainerin, sehr getrimmt auf Gehorsam und Konsequenz, wollte dass die Befehle korrekt ausgeführt wurden oder es folgte Bestrafung. Die Trainerin war auch der Ansicht, dass Hunde nicht spielen müssten. Ihre Hunde hätten ihr Leben lang keine Spielzeuge besessen. Ich denke, dies muss jeder so handhaben wie er es für richtig hält. Doch für diese Person war diese Ansicht ziemlich bezeichnend. Die Hunde lernten nun „Nein“. Dies geschah aus heutiger Sicht mit einer ziemlich kontroversen Methode. Dem Hund wurde ein Leckerli hingehalten und er wurde ermuntert, danach zu schnappen. In dem Moment, wo der Hund das Leckerli ergreifen wollte, kniff/griff der Partner ihm in die Flanke und sagte laut „Nein!“. Als dies geschah, winselte Mia laut auf und unterwarf sich.

Wir waren damals, ich möchte es abermals betonen, jung und unerfahren. Uns kam diese Methode ziemlich daneben vor, doch die Trainerin zeigte uns das Training bei den anderen Teilnehmern und viele Hunde wirkten durchaus ungerührt und aufmerksam. Die Trainerin erklärte uns, wir müssen den Hund wie ein Rudelführer leiten und unter Rudeln wäre es üblich, dass die ranghöheren Tiere den rangniedrigeren in die Flanke zwickten, wenn ihnen etwas nicht passte. Also trainierten wir weiter. Zwischendurch kam die Trainerin wieder bei uns vorbei und sagte mir, ich solle ruhig fester zupacken, mein Hund sei schließlich kein kleiner Hund und nicht aus Zucker. Nach kurzer Zeit hatte die Trainerin es geschafft: Mia zeigte deutliches Vermeidungsverhalten, blickte uns nicht in die Augen, unterwarf sich, sobald man sich ihr näherte. Leckerlies wollte sie sowieso nicht mehr annehmen – wer sollte ihr das verdenken?

Die Trainerin musterte Mia geringschätzig, grinste dann und sagte: „Wisst ihr was? Ihr macht euch zu viele Sorgen. Mia ist eine richtige Drama-Queen. Sie hat scheinbar gelernt, dass sie mit allem durchkommt, wenn sie sich nur ängstlich und theatralisch präsentiert. Dieser Hund hat keine Angst. Trainiert weiter und sie wird merken, dass ihr Schauspiel nicht funktioniert.“ Ja, das hatte sie uns gesagt. Wir stellten diese Aussage damals schon in Zweifel und trotzdem hörten wir nicht auf unser Bauchgefühl, sondern nahmen weiter an dem Training teil.

Zum Glück ging es nachfolgend nicht mehr um „Nein“, sondern um Leinenführigkeit. Auch diese Methode war meiner Meinung nicht sanft und passend für Mia. Sobald der Hund vorlief, sollte man ihm einen heftigen Impuls mit der Leine geben, am besten so, dass die Leine den Hund am Körper traf und dann die Richtung wechseln. Dieses Training hatte null Effekt auf Mia, außer dass sie sich wegduckte, sobald die Leine sich straffte. Aber dass sie bei uns gehen soll und auf uns achten sollte, lernte sie dadurch nicht.

Eine weitere Stunde, eine weitere Lektion: Rückruf. Der Hund lief dabei ohne Leine und sollte im Moment der Ablenkung zurückgerufen werden. Mia als schneller, lernwilliger Hund wurde hierzu gerne von der Trainerin als Vorführobjekt verwendet. Hörte der Hund nicht, wurde ihr mit Wucht die Leine vor die Füße geworfen – durfte gerne auch treffen – immerhin ist der Hund ja nicht aus Zucker. Sie zeigte es wie gesagt an Mia – woraufhin Mia geduckt und langsam zu ihr kroch und sich vor ihr unterwarf. „Alles nur Schauspielerei“ war abermals die Einschätzung. Danach hatten wir den Entschluss gefasst, das Training zu beenden.

Ein großer Kracher kam am Ende dann aber doch noch. Als die Trainerin kam, versteckte Mia sich hinter meinen Beinen und wich ihrem Blick aus. Da sagte die Trainerin allen Ernstes: „Mia zeigt Vermeidungsverhalten. Das dürft ihr nicht zulassen, sonst wird euch das mal zum Problem.“ Hallo? Hatte sie gerade ihr eigenes Urteil revidiert? Vor allem aber sagte sie uns nicht, WIE wir das Vermeidungsverhalten verhindern können. Aber das war uns auch egal. Mia hatte die Grundkommandos in Rekordzeit erlernt und noch dazu einen gewaltigen Knick in ihr Vertrauen uns gegenüber bekommen.

Noch während ich die Zeilen hier schreibe, ärger ich mich und bin entsetzt darüber, dass wir das Training damals nicht sofort abgebrochen hatten. Aber wenn man unerfahren ist und der Trainer gut reden und kompetent erzählen kann, stellt man solche Dinge vielleicht zu spät in Frage. Einige der Teilnehmer waren zudem auch extrem zufrieden mit ihr. Vielleicht gibt es Hundetypen, welche diese Art von Erziehung ohne Schaden gut überstehen. Mia gehört gewiss nicht zu diesen Hundetypen.

 

12 Kommentare zu „Pauschaltraining aus der Schubladenkiste im Düsseldorfer Süden

  1. Oh Gott, das hört sich ja grausam an!
    Gebt euch nicht die Schuld dafür. Wir alle fangen dumm und unerfahren an und hören auf die, von denen man idR behaupten kann, dass sie sich auskennen…

    „Die Trainerin erklärte uns, wir müssen den Hund wie ein Rudelführer leiten und unter Rudeln wäre es üblich, dass die ranghöheren Tiere den rangniedrigeren in die Flanke zwickten, wenn ihnen etwas nicht passte.“
    Das ist ja mal totaler Quatsch. Natürlich sind Hunde untereinander nicht wie Wattebauschwerfer, sondern weisen sich auch mal in die Schranken und ab und an vllt auch mal indem sie zwicken; das erfolgt aber bei vernünftig sozialisierten Hunden erst, wenn die Drohung vorweg nichts genützt hat. Wie soll der Hund denn ohne vorheriges „verständliches“ Kommando verstehen, dass er da nicht dran gehen darf….?
    Vor allem so ein junger Hund…

    Unglaublich, wirklich! Solchen Menschen sollte es verboten werden, in einer Hundeschule zu arbeiten…

    Liebe Grüße
    Alina

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    1. Ja, im Nachhinein betrachtet wurde uns auch immer klarer was sie da bei so einem verunsicherten labilen Hund wie Mia angerichtet hat. Und nicht nur das – sie hat uns dazu gebracht es ebenfalls so zu machen und eine so arme unsichere Hündin weiter zu verunsichern. Wenn sie ihren neuen Haltern nicht vertrauen kann, wem dann ?

      Ich bin nur froh, dass wir das noch relativ frühzeitig gemerkt und die Reißleine gezogen haben:(

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  2. Macht euch keine Vorwürfe. Ihr wolltet nur das beste für Mia und wenn man sich an eine offizielle Stelle wie eine Hundeschule wendet, erwartet man ja auch eine gewisse Kompetenz.
    Nicht zuletzt, weil „alle“ sagen, dass der Hund in die Hundeschule muss und sicherlich diese Trainerin auch gute Bewertungen hatte.

    Aus meiner Sicht gibt es durchaus paralllelen zwischen Kindern und Haustieren. Für beide ist man verantwortlich und muss für sie die richtigen Entscheidungen treffen, weil sie es selbst nicht können.

    Aus eigener Erfahrung kann ich da nur sagen, in der Hinsicht sollte man dem Bauchgefühl oftmals mehr vertrauen als dem Verstand! Das habe ich nach 15 Jahren Katzenmama und fast einem Jahr „Menschen-“ Mama sein gelernt! 😀

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  3. Oh man, das klingt echt gruselig und vor allem so ganz und gar nicht nach WELPENGRUPPE… Das Wichtigste, was so ein Hundebaby doch lernen soll sind positive Erfahrungen und vor allem Vertrauen.
    Zum Glück habt ihr auf eurer Bauchgefühl gehört ♥ Es ist aber auch schwierig, wenn man noch keine Erfahrungen hat und dann steht man vielleicht noch in einer Gruppe, wo alle anderen das Training gut finden, nur selbst fühlt man sich schlecht, ein doofes Gefühl… Ich empfehle immer den Hund zu beobachten, ist er nicht fröhlich und fühlt sich unwohl ist das Training für ihn nicht das richtige…
    Anežka ist auch so ein „Vorzeigehund“, lernt alles sehr schnell und auch gerne, aber NUR mit Ruhe und positivem Training, beim geringsten Druck macht dieser Hund sofort komplett zu… Da kann man machen was man will 🙂

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    1. Ja, du hast recht, der Großteil der Gruppe war ziemlich zufrieden mit dem Training. Aber das ist halt der typische Fehler, dieses Schubladendenken. Was für viele Hundehalter passt, muss ja nicht auf alle zusagen und eine Trainerin sollte das erkennen.

      Ich find Vorzeigehunde ja toll, aber wenn Ihnen deswegen zu viel zugemutet wird oder sie zu schnell als „bereit für die Welt ohne Training“ abgestempelt werden, ist es eine Last.

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  4. Ich habe all Deine Berichte über Mia gelesen und bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Auch wenn ich einen Hund habe, der nicht einen solchen Start ins Leben hatte und zum Glück auch nicht so eine Hundeschule kennengelernt, freue ich mich zu erfahren, wie es weiter geht.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  5. Wow, ich bin echt fassungslos. Die Trainerin ging ja mal gar nicht. Das tut mir echt leid für eure Kleine. Sie scheint sehr sensibrl zu sein und das sollte im Training auch berücksichtigt werden. Gewalt hat mal überhaupt nix beim Training oder der Erziehung zu suchen. Und Vermeidung ist normal, wenn der Hund sowas erlebt. Dad kann dann auch schnrll in Agression umschlagrn, wenn sich der Hund nicht anders zu helfen weiß. Gut, dass ihr das Training mit dieser Person abgebrochen habt. Ich drücke euch ganz fest dir Daumen und wünsche euch viel Kraft für euren weiteren Weg!

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    1. Mia ist wirklich ein sehr sensibler Hund und mittlerweile sind wir auf einem guten Weg mit einem Trainer, der Mia komplett versteht und sein Training auf sie zugeschnitten hat. Sie ist seitdem wahnsinnig gewachsen und wir vor allem auch. Die erste Trainerin war im Nachhinein betrachtet wirklich eine Katastrophe – vor allem für Mias Entwicklung… Ich danke dir :))

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  6. Also, ich habe jetzt gerade mal hier gelesen. Ich habe wirklich seit Jahrzehnten Hunde und wir hatten zeitweilig fünf Stück. Vom Altrüden habe ich eine Menge gelernt. Der war ein Husky-Mix. Und der hat Welpen, sie seiner Meinung nach ungehorsam waren, der hat sie ums Maul gepackt mit dem seinen,aber ohne sie zu verletzen und hat stimmlich seinen Unmut geäußert. So. Und wenn es ganz blöd wurde mit dem jungen Hund, dann hat er gewartet, bis wir alle draußen waren und dann hat er den anderen abgerollt, will heißen auf den Rücken gelegt. Aber kneifen in die Flanken, das habe ich nicht gesehen und erlebt. Du glaubst nicht, wie froh ich bin, Deinen Blog gefunden zu haben. Klickertraining,Leckerlies, Wehtun(hab ich nicht gemacht, sondern die Hundeschule gewechselt), strenges Regiment, genau das habe ich alles durch und es brachte nichts. Toll fand ich, den Hund zu rufen und wenn er guckt, aber dann weiter in die andere Richtung läuft, dann ist das seine Belohnung. Finde ich jetzt nicht so doll, wenn ich ihn aus einer Situation rufen will.Ich war weiter uninteressant für den Hund. Da meiner durchaus die handelsüblichen Haken an Leinen durchreißt, habe ich mir einen Vorführstrick für Pferde besorgt. Natürlich läuft er daran nicht gut. Und dann bin ich auf das Modell Schleppleine gekommen, auch ohne viele Reize, weil alles verunsichert und Angst macht. Die Schleppleine ist bei uns aber eine Softlonge, die Haken sind da besser. Und mit diesem Wendekreis wird Spazieren gehen endlich mal schön. Klar noch nicht in der Stadt. Da bricht das ADHS noch aus.
    Am Ende war ich so genervt und habe dran gedacht, dass ich vorher schon Hunde hatte und das waren verschiedene Rassen und das ich mir von meinem jetzt nicht den Gar ausmachen lasse. Training, Training, Training und klar das Gefühl, ihm seinen Platz in unserem Gefüge zu geben und dort sein zu lassen.

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    1. Wow, da habt ihr aber auch schon einiges erlebt. Jap, das mit dem clickern und belohnen wenn der hund schaut habe ich hier auch bei trainerin 2 erlebt. Ist ja schön und gut aber wenn der hund eine panikattacke kriegt schaut er nicht mehr. Und die Bindung verbessert es auch nicht. Schön dass du auf meinem Blog gelandet bist 🍀

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