Unsere Geschichte

Mia zieht ein! „Ist sie auffällig oder ist das noch normal?“

Als Mia das erste Mal unsere Wohnung betrat, war sie sehr aufgeregt. Natürlich, wer kann das nicht nachvollziehen? Andere Gerüche, andere Geräusche, andere Zweibeiner…

Wir hatten im Voraus bereits gemütliche Kissen in Wohn- und Schlafzimmer für sie vorbereitet (mein Partner kennt mein „Nur mal angucken!“ 😉 ). Ich ließ Mia die Wohnung erkunden und legte ihr mitgegebenes Spielzeug auf ihre Kissen. Auch nach einiger Zeit kam Mia nicht zur Ruhe. Sie lief rastlos umher, fiepte immer wieder, brachte ihre Spielzeuge zu uns. Von dem hundetypischen Schlafbedürfnis war nichts zu sehen.

Naja, vielleicht musste sie ja auch noch einmal nach draußen? Wir ließen sie draußen ihr Geschäft verrichten und gaben ihr Futter. Nicht so wie die Hobbyzüchterin es uns empfohlen hatte (sie sagte uns, wir sollten immer den Napf nachfüllen, bis Mia von alleine aufhört. Das kam uns merkwürdig vor, gelten die meisten Labradore doch als unersättlich.)

Mia war nach unserem Verständnis nun gut versorgt. Sie hatte Futter, war draußen, hatte natürlich auch schon kurze Kuschel- und Spieleeinheiten mit uns gehabt und war in unseren Beisein (und nach unserer Einschätzung) auch vorher lange nicht mehr zur Ruhe gekommen.

Zeit für ein Hundeschläfchen. Denkt ihr! Mia tobte, rannte, hechelte, stand immer wieder wedelnd vor uns. Also begannen wir, sie freundlich auf das Kissen zu führen. Sie blieb kurz sitzen, sprang dann wieder auf und kam wieder zu uns gelaufen. Dieses Spiel hielten wir mit einer Heidengeduld aus, es wiederholte sich und wiederholte sich. Mia war wie unter Strom! Nicht nur das, sie war extrem hypersensibel auf Reize. Eine Bewegung, ein Stoßen gegen den Tisch und sie hob ruckartig den Kopf und bewegte sich hektisch im Raum.

Wir wollten ihr helfen zu entspannen, wussten aber nicht wie. Wir recherchierten im Internet und wurden auf die Idee gebracht, Mia an das Kissen abzuleinen damit ihr der Platz gezeigt wird und sie entspannen kann.

Gesagt, getan – keine gute Idee! Mia begann zu winseln und zu fiepen. Sie tat uns leid, doch wir wussten dass wir sie nicht ärgern, sondern ihr helfen wollten. Also hielten wir es aus. Und Mia hielt es auch aus. Sie hat durchweg weiter gefiept und war nicht zu beruhigen. Natürlich haben wir sie irgendwann wieder abgeleint, da der erhoffte Effekt ausblieb. Mia wurde sofort wieder rastlos und folgte uns auf Schritt und Tritt.

Am Ende des Abends waren wir fix und fertig – Mia nicht. Selbst in der Nacht stand sie immer wieder von ihren Kissen auf, kam an den Bettrand und stupste uns mit ihrem Näschen an, als wollte sie sich vergewissern, dass wir noch da sind.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Tierarzt, um Mia durchchecken zu lassen.

Im Wartezimmer sorgten wir für belustigtes Aufsehen, da Mia bei dem Anblick von Menschen und Hunden stark reagierte, in die Leine sprang und grunzende quiekende Geräusche ausstieß. Es gelang uns abermals nicht sie zu beruhigen und während die Zuschauer sich über den niedlichen, tollpatschigen Hund amüsierten, fragten wir uns nur noch wie wir das am Besten in den Griff kriegen sollten.

Als Mia bei der Untersuchung war, zeigte sich das erste Mal ein kleiner Hauch von Angst. Es gelang der Tierärztin nicht, Mia in das Maul zu schauen weil sie den Kiefer fest zusammenpresste. Während sie abgetastet wurde, urinierte sie unter sich. Die Ärztin entdeckte in Mias Ohrengängen eine schwerwiegende Pilzinfektion, die scheinbar schon seit Wochen unerkannt florieren musste. Die Tierärztin bemerkte etwas spitz, dass die vorherige Halterin es ganz einfach entdecken hätte können, wenn sie nur  einmal nachgesehen hätte.

Mia bekam zwei verschiedene Medikamente in das Ohr getropft und jammerte hörbar vor Schmerz. Sie tat uns abermals so leid. Danach merkte die Tierärztin noch an, dass Mia übergewichtig sei. Wir teilten ihr sogleich mit, dass unsere Fütterung anders verlaufen würde als bei der Vorgängerin.

Mia bekam noch einen Tasso-Chip injiziert und uns wurden Ohr-Medikamente mitgegeben. Sobald wir die Praxis verließen, drehte Mia wieder auf. Sie versuchte an vorbeilaufenden Passanten hochzuspringen und zu jedem Hund zu zerren. Ein Glück, dass sie damals zu leicht war, um eine große Auswirkung auf die Leine zu haben…

Dieser Tag war unser erster ganzer Tag mit Mia und er verlief nicht wesentlich entspannter als der Vorabend.

Kurz darauf meldeten wir uns in einer Hunde-Trainingsgruppe an – der erste Schritt in die falsche Richtung?

6 Kommentare zu „Mia zieht ein! „Ist sie auffällig oder ist das noch normal?“

  1. Meine Meinung zu den Hobbyzüchtern habe ich ja schon geäußert… Diese wird hier bestärkt…
    Mia kann (konnte) einem wirklich leid tun… Ihr aber auch!

    Toll, dass ihr euch trotzdem für sie entschieden und auch schon vorab so gut informiert habt.

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    1. Ja, ich bin auch froh. Ich glaube aufgeben ist bei so etwas der größte Fehler. Ich habe ja früher immer über Menschen geschmunzelt, die Hunde als ihre Familienmitglieder ansahen. Aber mittlerweile tu ich das auch ganz automatisch 😎

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  2. Ich kann es euch gut nachfühlen und muss doch ein wenig grinsen, sorry, es ist so ein Gefühl als schreibst du die Geschichte meiner Hündin, zumindest bis hierher… Herkunft, Verhalten sehr ähnlich, sogar die Ohrmilben stimmen überein.

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    1. Och, das ist ja interessant. Hast du diese Geschichte auch auf deinem Blog geschrieben? Dann würde ich mir das später mal in Ruhe durchlesen. Traurig dass es bei solchen Zuständen immer wieder Parallelen gibt.

      Aber ja, ehrlich gesagt kann ich mittlerweile auch in solchen Situationen innerlich grinsen. Das ist einfach Mia! Früher war das der absolute überfordernde Horror für mich..

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      1. Ich habe in verschiedenen Beiträgen immer mal wieder darüber geschrieben. Ich hatte sie ja zwei mal vorher besucht und während sie beim ersten Besuch ziemlich „normal“ schien und wir uns eben für sie entschieden, war sie beim zweiten Besuch ganz anders, lebte so irgendwie in ihrer eigenen Welt. Es war dann auch erschreckend die ersten Male mit ihr unterwegs zu sein, sie ging Menschen und Hunde schon auf großem Abstand an und hatte Angst vor so ziemlich allem. Sie ist ängstlich / dominant, eine nicht einfache Mischung….
        Bin sehr gespannt, wie deine Geschichte weiter geht.

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  3. Oh, da kann ich mich mit ängstlich-unterwürfig wohl noch glücklich schätzen. Werde deinen Blog die Tage mal in Ruhe durchlesen.

    Freut mich, dass du mit Interesse dabei bist 🐕🐶

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