Unsere Geschichte

Ein Besuch in Mias Geburtsstätte

Am 14. Februar 2015 fuhren wir nach Hattingen, um uns die kleine Labradorhündin namens Mia anzusehen. Valentinstag, wie passend. Unser Urlaub lief schon und wir waren durchaus bereit, Mia spontan mit uns zu nehmen.

Doch zuerst wollten wir uns ganz erwachsen einen Ersteindruck verschaffen. Wir erreichten ein Hochhaus mit endlos vielen Wohnparteien. In einer dieser Wohnungen wartete Mia auf uns. Als wir klingelten und oben ankamen, stürmte sie uns entgegen. Sie sprang immer wieder an uns hoch und biss mit ihren spitzen Milchzähnen in unsere Arme und Hände. Sie wedelte aufgeregt mit dem Schwanz und ließ sich kaum abwehren. Wir betraten die Wohnung und setzten uns auf das Sofa.

Der erste Eindruck: Eine junge, alleinerziehende und überforderte Mutter versuchte, Mia von uns abzuwehren. Gleichzeitig musste sie immer wieder nach ihrem kleinen dreijährigen Jungen schauen, der wild durch die Wohnung rannte und sich dabei immer wieder weh tat. Wenn er sich weh tat, schrie er schrill und laut und beruhigte sich nur schwer. Mia sprang immer wieder rastlos an uns herum und zwickte und kratzte uns, wo sie uns erreichen konnte. Wenn sie von uns abließ, sprang sie auf die Familienkatze. Oder versuchte ihre schwarze Labradormutter zum Spielen zu bewegen, was diese nach einer Weile mit Knurren und Zähnefletschen abwehrte. Laut Aussage der Halterin waren alle angespannt, weil Mia in dieser Wohnung nicht zur Ruhe kam und niemanden in Ruhe ließ.

Die Frau war sympathisch, wirkte einfach überfordert und ihre Geschichte ließ uns innerlich den Kopf schütteln. Sie hatte ihre Hündin decken lassen, weil sie gehört habe, dass Hündinnen nach einer Trächtigkeit ruhiger werden würden. Aus diesem Wurf sind 8 Welpen entstanden. Mia hatte dabei scheinbar besonders viel Pech. Sie wurde wie alle anderen Welpen angeblich mit der 8. Lebenswoche in andere Hände abgegeben. Was in der Familie passierte, kann keiner wissen. Jedoch wurde sie nach einer Woche nach Hattingen zurückgebracht. Scheinbar wurde der Vermieter erst im Nachhinein konsultiert und verbot die Hundehaltung. Die „Hobbyzüchterin“ hatte Mitleid mit Mia und wollte sie zunächst selbst behalten. Doch die Situation wurde unerträglich und sie verstand, dass Mia in der 2-Zimmer-Wohnung mit Kind, Frau, Katze und anderem Labrador keinen Platz finden würde.

Sie hatte sich vorgenommen, Mia nur noch in gute Hände abzugeben. Scheinbar kamen viele Interessenten vorbei. Sie erzählte uns von Menschen, welche sich erkundigt hatten, ob man Mia „abrichten“ könne, ob sie für eine Haltung auf dem Hof geeignet wäre etc. Diese wurden kurzerhand ohne Mia nach Hause geschickt.

Während der Erzählung konnten wir Mia weiter beobachten. Sie wurde nicht ruhig. Sie lief immerzu rastlos durch den Raum, sprang auf das Sofa, knabberte an uns, sprang auf die Katze, sprang auf den Labrador… Wedelte hektisch, rannte herum, stieß sich an. Die Hobbyzüchterin sagte uns, dass es ihr das Herz zerbreche. Mia sei nun schon 16 Wochen alt und hätte ihre eigene Familie so sehr verdient. Sie könne sich gut vorstellen, dass zwei so ruhige und zufriedene Menschen wie mein Partner und ich genau die Richtigen wären, um Mia in Entspannung zu kriegen.

Ehrlich gesagt waren mein Partner und ich erschrocken von Mias Verhalten, sie hörte auf keine Kommandos, sie blieb an keinem Platz sitzen und sie war völlig überdreht. Aber wir wussten, dass sie vermutlich nicht den schönsten Start in das Leben hatte. Während wir noch überlegten, erzählte die Hobbyzüchterin uns, dass sie keine Zeit für den Hund habe. Ihre Mutter würde größtenteils kleine Runden mit ihnen gehen und Mia hätte einen so viel höheren Bewegungsdrang. Das war zu sehen!

Noch etwas ärgerte uns. Während wir uns unterhielten, konnten wir den kleinen Jungen beobachten wie er Mia an der Kommode festband. Danach piekte er sie und lachte sie aus. Als die Mutter viel zu spät bemerkte, dass ihr Junge den Hund ärgerte, brüllte sie vor Mia los: „Ich habe dir gesagt, du sollst sie nicht ärgern!“ Wer weiß, wie oft ihm das schon gesagt wurde. Aber schließlich war er ja auch noch klein. Unsere Entscheidung hatte es jedoch bestätigt. Mia sollte aus dieser Haltung raus und wir wollten es besser machen. Wir wollten Mia ein gutes und sicheres Zuhause bieten, in dem sie zur Ruhe kommen konnte.

Nachdem wir das Geld übergaben und den Tierschutzvertrag unterschrieben hatten, bekamen wir noch eine kleine Tüte mit Mias Geschirr, Näpfen, Futter und Spielzeug gepackt. Dann nahmen wir den kleinen goldenen Labrador an die Leine und gingen mit ihr heraus. Mia lief einfach mit uns mit, hüpfte neben uns her und war ganz bei uns. Erst im Kofferraum des Autos begann sie leise zu fiepen.

4 Kommentare zu „Ein Besuch in Mias Geburtsstätte

  1. Beim Lesen konnte ich Mia richtig sehen wie sie in überdreht hin und her hüpft. Aber auch eure Gesichter in dem Moment kann ich mir sehr gut vorstellen.

    Schade, dass es immer wieder so unerfahrene “Hobbyzüchter“ mit allen anderen als idealen Bedingungen für eine Zucht gibt und so vielen Tieren ein holpriger Start ins Leben beschert wird. 2-Raum Wohnung… *kopfschüttel…

    Unsere Katze war auch aus so einem chaotischen Haushalt – einer “Hobbyzucht“ – zum Glück erinnert heute nur noch ein winziger Knick in der Schwanzspitze daran…

    Ich freue mich schon zu lesen wie es weiter ging mit dem kleinen Känguru- Hund. 🙂

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    1. Und auch eure Katze ist ein Beweis dafür, wie zutraulich und dankbar Tiere mit solchen Erfahrungen werden können… Ja, es ist schon traurig, dass sich jeder einfach selbst zum Züchter machen kann. Eigentlich gibt es ja Vorgaben und Kontrollen, aber dann sagst du halt „Uuups, mein Hund wurde beim Gassigehen gedeckt“.

      Lieben Dank für dein Interesse!

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